VN 00-2, April 2000

Nachtrag vom Januar 2020:
Wie es aktuell in diesem Privatzoo aussieht, ist uns nicht bekannt. Bekannt ist nur, dass der Matthias Rüegsegger, Lebenspartner der heutigen Zoo-Besitzerin, Matthias Rüegsegger, im Jahr 2019 wegen übler Nachrede gegen den VgT verurteilt worden ist.

 

Privat-Zoo "Hasel" im Kanton Aargau:
Mario: lebenslänglich unschuldig hinter Gittern
Ein Bericht von Marlène Gamper, Vizepräsidentin VgT, die Mario seit 1985 kennt

baer1.jpg (327206 Byte)

   baer2.jpg (315840 Byte)

Seit 15 Jahren Einzelhaft und kein Ende: mit hoffnungslosen Augen blickt Mario durch die Eisenstangen in die grüne Freiheit

baer3.jpg (299182 Byte)

Mein Name ist Mario. Ich werde in ein paar Wochen 18 Jahre alt, lebe unschuldig hinter Gittern, Einzelhaft. Hier werde ich auch sterben, unschuldig hinter Gittern, in Einzelhaft. Geboren wurde ich 1982 im Basler Zoo, dort lebte ich 2,5 Jahre. Bald wurde ich überzählig und wurde an eine Privatperson verkauft. Nicht lange blieb ich dort, es war eine Misere. Als 3-jähriger landete ich im Privatzoo Hasel. Dort steckte man mich in die damalige Bärengrube. Metertief, betoniert, feucht und stinkig, allein. In der Mitte der Grube war ein Kletterbaum an dem ich etwas hochklettern konnte, um die Menschen anzubetteln. Man warf mir Fressen zu. Fressen? Es war Popcorn, ab und zu ein Rüebli, ein Apfel, manchmal auch Kies oder Steine, Spucke. Alles was ich in jenen Jahren in der Bärengrube sah waren die Köpfe der Menschen die zu mir runterschauten und ein kleines Stück Himmel. Nie sah ich einen Baum, nie ein anderes Lebewesen, schon gar nicht einen Artgenossen. Das Veterinaramt "kontrollierte" sporadisch und mein eintöniges, himmeltrauriges Leben ging weiter mit dem Einverständnis der Behörde.

Es gab Leute die Mitleid mit dem armen Bär hatten der neben seinen eigenen Exkrementen lag. Irgendwann wurde gesammelt, es gab Pächterwechsel, Finanzmiseren, Besitzerwechsel, für mich änderte sich nichts. 1997 präsentierte man mir mein neues Gehege. Gitterkäfig, weiterhin Einzelhaft. Mehr als 100'000 Franken soll der Käfig gekostet haben. Eine Spezialanfertigung aus Beton und Eisenstäben. Mich fragte keiner nach meinen Bedürfnissen! Kein Kletterfelsen, keine Rückzugsmöglichkeit, kein Baum, keine Beschäftigung, kein fliessendes Wasser. Besucher werfen mir Popcorn zu und wundern sich über meine Geschicklichkeit, wie ich die kleinen weissen Dinger auflese und fresse. Ich tue dies nicht aus Hunger, es ist Langeweile. Ich stehe oft verzweifelt an den Stangen meines Gefängnisses und sehe sehnsüchtig zu den Bäumen, zum Wald. Meine Pfleger sagen: Es genügt, wenn er die Bäume sieht. Man prahlt, dass man mich bis ins Detail kenne und sicher sei, dass es mir an nichts fehle, jede Regung von mir werde genauestens interpretiert, man sei überzeugt, ich hätte ein tolles Leben. Hilfe! Ich bin ausgeliefert, entwürdigt, einsam. Nicht einmal Äste und Bäume gönnt man mir. Ich habe nichts verbrochen, bin unschuldig. Viele Besucher wundern sich, wenn sie beobachten wie ich mich selbst befriedige. Man bringt die Kinder weg; sie könnten peinliche Fragen stellen. Diejenigen, die fragen, erhalten die Antwort, dass ich ein Grüsel sei, abnormal, ein Wichser. Wer und was bin ich? Ich bin allein, einsam, mir ist langweilig. Ein edler Spender hatte in seinem Garten eine abgestorbene Eiche. Dieser Stamm wurde für mich in den Käfig gebracht. Damit soll ich mich beschäftigen, das einzige was man mir als Abwechslung bietet - ein runder, toter Eichenstamm, ohne Ast, ohne Blatt. Was soll ich damit?
Das Veterinäramt kontrolliert weiterhin fleissig und gibt die nötigen Stempel und Bewilligungen und attestiert, mir gehe es gut - "tierschutzkonform". Für mich sind das Lügner, Heuchler, Feiglinge. Wenn ihr mein Leben schon nicht verbessern könnt, dann erlöst mich von meinem Elend. Tod, du lieber Bruder des Schlafs. Sind 18 Jahre grausame Einzelhaft nicht genug? Hilfe!
Im Jenseits erst werde ich wohl Bäume um mich haben, Gras unter den weichen Fusssohlen, Blumen und Kräuter, um meine Nase hineinzustecken. Ich träume von Purzelbäumen, Felsen, einem Flüsschen, einer Gefährtin, einem Revier, das mir alles bietet, was ein Bär braucht. um glücklich zu sein und nicht lediglich zu überleben. 

Euer Bär Mario.

Anmerkungen:
Mario lebt im Privatzoo Hasel im Kanton Aargau. Die Postadresse lautet auf Gemeinde Rüfenach, der Zoo liegt aber jenseits der Gemeindegrenze auf dem Gebiet der Gemeinde Remigen. Und übrigens: es leben dort noch andere bedauernswerte Kreaturen, denen es an einigermassen artgerechten Bedingungen mangelt z.B. Affen und Raubtiere.

baer4.jpg (380748 Byte)


"Wir haben der Art und Weise, in der die menschliche Spezies sich von allen anderen unterscheidet, zu viel Aufmerksamkeit geschenkt, und der Art und Weise, in der wir wie alle anderen Spezies sind, zu wenig.�
Aus: "Tierethik - Neue Perspektiven für Menschen und Tiere" von Jean-Claude Wolf


Die Braunbären im Tierpark Langenberg in Langnau am Albis

Das Drama im Zoo Hasel wird deutlich, wenn man mit einem tiergerechten Bärengeheg vergleicht. Vorbildlich ist diesbezüglich der Tierpark Langenberg in Langnau a.A., wo die Braunbären in einem grossen, naturnahen Gehege leben können. Die folgenden Bilder zeigen nur einen kleinen Ausschnitt des Bärengeheges. Im Bild links ist vorn der Zuschauerbereich zu sehen, abgetrennt durch eine Abschrankung mit Glasswänden. Dahinter das grosszügige Bassin, in das wasserfallartig ein Bächlein vom Wald herunter mündet. Im Urwald, der sich den Hang hinaufzieht, finden die Bären Versteck- und Erkundungsmöglichkeiten. Dort bauen sie Nester aus Zweigen oder graben Erdhöhlen für die Winterruhe. Der Vergleich mit dem betonierten Rundkäfig von Mario zeigt das ganze Ausmass des Tierdramas. Braucht es dazu noch Worte oder wissenschaftliche Beweise?

langnau2.jpg (65935 Byte)  langnau1.jpg (61879 Byte)


Die Lebensweise des Braunb�rs:
Die Massigkeit des Bärenkörpers täuscht darüber hinweg, dass die Tiere sehr flink sein können. Über kurze Strecken erreicht ein Braunbär Geschwindigkeiten um die 50 km/h. Er ist zudem ein gewandter Kletterer und Schwimmer. Alle Sinnesorgane sind hochentwickelt, besonders Nase und Ohren. Der Braunbär gehört zu den intelligentesten Tierarten. Seine Neugierde ist sehr ausgeprägt, ebenso seine Lernfähigkeit. Das Erlernte spielt für sein Verhalten eine grosse Rolle. Da jedes Tier durch seine individuellen Erfahrungen geprägt ist, können sich die Verhaltensweisen stark unterscheiden. Wo Bären häufig gestört werden, leben sie dämmerungs- und nachtaktiv. In unbesiedelten Gebieten sind sie auch am Tag unterwegs.


Inhaltsverzeichnis VN00-2

Startseite