VN 02-3

Die Schweinefabrik von Durchlaucht Fürst Hans Adam II. von und zu Liechtenstein

Die folgenden, in den VN1994-4 veröffentlichten Aufnahmen aus der fürstlichen Schweinefabrik auf dem “Hof Liechtenstein” bei Wilfersdorf in Österreich zeigen die vom VgT seit 1992 als tierquälerisch kritisierten Zustände:

Oben: Die übliche Kastration ohne Betäubung - hier in der fürstlichen Tierfabrik. Mit Stahlbügeln festgeklemmt, Kopf nach unten, muss das Ferkel das Heruasschneiden der Hoden bei vollem Bewusstsein über sich ergehen lassen.

Oben: Die riesige, fensterlose Schweinefabrik

Unten: Die unschuldigen Opfer dieses Tier-KZs verbringen das ganze Leben in nur gerade körpergrossen Käfigen (in der Fachsprache Kastenstand genannt) in fensterlosen Hallen.

Gebärende und säugende Mutterschweine:

Unten: Der Eber sieht nie ein weibliches Schwein - und umgekehrt. Anstatt auf eine brünstige Sau, muss der Eber diese Attrappe besteigen, wo er von einem Angestellten manuell abgesamt wird. Mit dem so gewonnenen Sperma werden die weiblichen Sauen künstlich besamt - soweit geht die Naturentfremdung und völlige Unterdrückung der angeborenen Bedürfnisse der Tiere, allein um des Profites Willen, da ein Vermögen von drei Milliarden Franken offenbar noch nicht genug ist:



Die jungen Schweine sind zwar nicht in Käfigen eingesperrt, aber in den vollgestopften Buchten können sie sich ebenso kaum bewegen. Um dem unter solchen tierquälerischen Verhältnissen gelegentlich ausbrechenden Schwanzbeissen vorzubeugen, sind ihnen die Schwänze bis auf kurze Stummel abgeschnitten worden:

 


Aus der zynisch-verlogenen Werbung für Fleisch aus diesem Tier-KZ


Die Geschichte vom Landbaron

Seine Heimat
Er wurde zusammen mit 11 Ferkeln in einem Stall des Gutes Liechtenstein geboren. Er hat genug Platz sich zu bewegen und seine Persönlichkeit auszuleben.

Seine Eltern
Die Mutter stammt aus eigener Zucht. Der Vater lebt auch im selben Stall, wurde aber in einem Bauernhof geboren, wo vor allem Eber aufwachsen, die viel Fleisch bringen.

Sein Leben
Er kennt keinen Stress und braucht daher auch keine lästigen Beruhigungsspritzen. Sein Futter, das unter anderem aus Getreide, Erbsen, Raps und Soja besteht, wird bei ihm zu Hause angebaut und enthält natürlich keine Antibiotika.


In einem Raum in dieser Tierfabrik fanden wir dann diesen Berg leerer Antibiotika-Flaschen:


 

Das fürstliche Schweine-KZ verletzt die europäische Tierschutz-Konvention

Am 10. August 1994 reichte der VgT dem Europarat in Strassburg folgende Beschwerde ein:

Hiermit erheben wir namens des "VgT Verein gegen Tierfabriken Schweiz" und des "VgT Verein gegen Tierfabriken Österreich" Beschwerde gegen die Republik Österreich wegen fortgesetzter, vorsätzlicher Missachtung des Europäischen Übereinkommens zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen und beantragen eine Rüge an die österreichische Regierung, verbunden mit der Aufforderung, die europäischen Tierschutzbestimmungen gemäss dieser Konvention einzuhalten.

Begründung: Das Europäische Übereinkommen zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen (im folgenden kurz "Konvention" genannt) ist von allen westeuropäischen Ländern, einschliesslich Österreichs, ratifiziert worden. Österreich verletzt diese Konvention durch: 1. konventionswidrige Auslegung des bestehenden nationalen Tierschutzrechtes und 2. Nichtumsetzung der Konvention in nationales Recht.

Gemäss Artikel 9 des Europäischen Übereinkommens zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen (Konvention) legt ein Ständiger Ausschuss, in dem alle Mitgliedländer vertreten sind, die ins Einzelne gehenden Bestimmungen für die Anwendung der in der Konvention niedergelegten Grundsätze fest. Jedes Mitgliedland ist gemäss Artikel 9 Absatz 2 verpflichtet, diese Empfehlungen anzuwenden, sofern es nicht innert sechs Monaten nach deren Inkrafttreten eine offizielle Erklärung abgibt, aus welchen Gründen die Anwendung nicht möglich ist. Seitens Österreichs ist kein solcher Vorbehalt bekannt.

Im Folgenden wird anhand des Beispiels der Schweinefabrik “Hof Liechtensteine” aufgezeigt, wie die österreichischen Behörden die Konvention missachten:
Für das Halten von Schweinen ist durch die Konvention folgendes festgelegt (angenommen vom Ständigen Ausschuss am 21. November 1986) :

Der Ständige Ausschuss des Europäischen Übereinkommens zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen ... hat folgende Empfehlungen für das Halten von Schweinen verabschiedet: ...
Artikel 6: ... Buchten, Einrichtungen und Vorrichtungen müssen so erstellt und gewartet werden, dass die Gefahr für die Schweine, in ihrem Liegebereich mit Urin oder Kot ... in Berührung zu kommen, soweit wie möglich ausgeschaltet wird...
Artikel 8: ... wo immer dies möglich ist, sollten die Schweine Zugang zu getrenntem Liege- und Kotbereich haben. Raummangel oder Überbesatz, der zu Schwanzbeissen ... oder anderen Störungen führt, muss vermieden werden.
Artikel 9: Wo immer dies durchführbar ist, sollten alle Schweine Zugang zu Stroh – auch nur in kleinen Mengen – oder zu anderen geeigneten Materialien wie Heu, Maishäcksel, Gras, Torf, Erde oder Rinde haben ...
Die Ställe, in denen trockenstehende (tragende) Sauen gehalten werden, sollten den Tieren den Zugang zu getrennten Liege- und Kotbereichen sowie soziale Kontakte ermöglichen. Wo immer dies möglich ist, sollte angestrebt werden, trockenstehende Sauen in Gruppen unterzubringen. Den in Gruppen gehaltenen trockenstehenden Sauen sollten Fress-, Kot- und Liegebereiche zur Verfügung stehen ... Es wird empfohlen, der trockenstehenden Sau Stroh oder anderes geeignetes Material zur Benutzung zur Verfügung zu stellen ... Stroh oder sonstige geeignete Materialien sollten den Sauen und Ferkeln zur Benutzung und für ihren Komfort zur Verfügung stehen ... Die folgenden Eingriffe sollten – wo möglich – vermieden werden: das Kastrieren männlicher Schweine ...

Alle diese Bestimmungen werden auf dem Hof Liechtenstein Bernhardstal/Wilfersdorf in Niederösterreich, der sich im Besitz des liechtensteinischen Fürsten Hans-Adam II. befindet, grob missachtet: Die Tiere werden in einer Art und Weise gehalten, die für die Tiere naturwidrig, äusserst unangenehm, qualvoll, schmerzhaft und gesundheitsschädlich ist. Der VgT Verein gegen Tierfabriken Österreich hat deshalb wie folgt Anzeigen erstattet: Am 19. Juni 1992 eine Strafanzeige wegen Verletzung von § 222 StGB, am 23. Juli 1992 eine analoge Anzeige wegen Verletzung von § 2 und 13 des Niederösterreichischen Tierschutzgesetzes. In diesen Anzeigen wurden die folgenden (konventionsverletzenden) Sachverhalte aufgeführt: a) gleichbleibende zu hohe Temperatur von 28 Grad Celsius im Abferkelstall (bei 20 Grad und mehr haben Schweine das Bedürfnis, sich abzukühlen, was sie hier nicht können -> permanenter Hitzestress); b) Beton-Vollspaltenböden und gelochte Blechböden, welche keine Trennung von Kot- und Liegeplatz ermöglichen; c) keine Einstreu; alle Tiere – auch die frischgeborenen Ferkel – liegen auf dem harten Boden; keine Möglichkeit, den angeborenen Nestbautrieb auszuleben; d) keinerlei Beschäftigungsmöglichkeit; e) lebenslänglich keine Bewegungsmöglichkeit für die Mutterschweine in den Kastenständen; extrem eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit auch bei den Mastschweinen (vollgestopfte enge Mastbuchten mit zwei Tieren pro Quadratmeter); f) Dunkelhaltung; g) Unterdrückung des Sexualverhaltens durch künstliches Absamen der Eber von Hand und künstliche Besamung der Mutterschweine; h) Kastration sämtlicher männlicher Ferkel, ohne Narkose; i) Abschneiden oder Abbrennen des Ringelschwanzes bei sämtlichen Ferkeln, ohne Narkose.
Die Haltungsbedingungen widersprechen diametral den natürlichen Bedürfnissen von Schweinen, und zwar in derart eklatantem Ausmass, dass die völlige Unterdrückung der angeborenen Verhaltensweisen als Tierquälerei zu bezeichnen ist. Damit die Tiere diese Qualen überhaupt überleben, werden sie teilweise mit Psychopharmaka ruhiggestellt. Es handelt sich um eine unnötige Tierquälerei, da es praxiserprobte Schweinestallungen gibt, die sowohl artgerecht wie auch wirtschaftlich sind. Dies wird durch die in den Anzeigen aufgeführte Fachliteratur belegt.
Die Anzeige wurden unter grober Missachtung der Konvention behandelt bzw. nicht behandelt; die extrem tierquälerischen Zustände in der fürstlichen Schweinefabrik wurden einfach deshalb als legal erklärt, weil sie europaweit üblich seien. Die in der Strafanzeige vorgeschlagenen Gutachter wurden nicht angehört; die zitierte Fachliteratur wurde nicht gewürdigt. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg wies die Strafanzeige mit der folgenden willkürlichen und sachlich völlig unhaltbaren Begründung ab: ”... hat das Verfahren ergeben, dass bei der gegebenen Form der Tierhaltung den Tieren körperliche Qualen überhaupt nicht zugefügt werden und ihr Wohlbefinden nur so weit eingeschränkt wird, als dies für die in ganz Europa anerkannte Tierhaltung unbedingt erforderlich ist, sodass der Tatbestand des §222 StGB nicht erfüllt ist.”

An dieser Begründung ist kein Wort wahr: Die oben dargelegten Sachverhalte verursachen sehr wohl körperliche Qualen, wie sogar ein Laie erkennen kann. Auch die in solchen Haltungssystemen häufig auftretende und auch im Hof Liechtenstein fotografierte Verhaltensstörung des "Kannibalismus", wobei Schwänze und Ohren der Artgenossen angefressen werden, führt zweifellos zu körperlichen Schmerzen. Ferner treten als Folge des starken seelischen Leidens oft auch Magengeschwüre und andere mit Schmerzen verbundene körperliche Krankheiten auf. Diese Form der Tierhaltung ist nicht in ganz Europa "anerkannt". Im Gegenteil ist sie wie dargelegt durch die Europäische Tierschutz-Konvention verpönt. Das Wohlbefinden ist nicht nur "soweit nötig" eingeschränkt, denn für eine derart tierquälerische Haltungsform fehlt jede glaubwürdige Begründung. Es gibt in der Praxis Haltungsformen, die wirtschaftlich und tiergerecht sind. Es handelt sich vornehmlich um einfache, eigenbaufreundliche Holzbauten, sogenannte Kaltställe, in denen Aussentemperatur herrscht. Im Winter schaffen sich die Schweine ihr Mikroklima durch den Bau von Schlafnestern aus Stroh. Schweine ertragen, wenn sie es gewohnt sind, Temperaturen weit unter Null sehr gut, weit besser als die viel zu hohen Temperaturen im Schweine-KZ des Hofes Liechtenstein. Tierfreundliche Kaltställe erfordern nur geringe Bauinvestitionen und gelten deshalb als die künftige bäuerliche Antwort auf die EU-Herausforderung.
Mit Schreiben vom 18. November 1992 haben wir uns beim Bundesminister für Justiz gegen die Abweisung der Strafanzeige beschwert. Die nichtssagende bürokratische Antwort wird als Beilage zu den Akten gegeben. Rechtliche und demokratische Möglichkeiten stehen uns und anderen Tierschutzorganisationen nicht zur Verfügung.
Angesichts dieser offenen, groben Missachtung der von Österreich ratifizierten Europäischen Konvention ist eine Veurteilung durch den Europarat angezeigt....

Der Europarat beantwortete diese Beschwerde mit einer kurzen, formalen Blabla-Phrase und ging sachlich nicht auf die Beschwerde ein. Damit ist wenigstens klargestellt, dass die Tierschutzkonvention des Europarates nichts anderes ist, als ein wertloser Fetzen Papier und die Verantwortung voll bei den Konsumenten liegt: Essen Sie vegetarisch - Ihrer Gesundheit und den Tieren zuliebe!



Der Fürst rechtfertigt die grausame Tierhaltung mit Wirtschaftlichkeit

von Erwin Kessler, Präsident VgT Schweiz


Am 30. August 1993 fand ein Gespräch einer Delegation des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) mit Durchlaucht Fürst Hans Adam II. von und zu Liechtenstein statt. Thema war dessen Schweinefabrik in Niederösterreich, wo rund 10 000 Tiere unter grässlichen Umständen in fensterlosen Fabrikhallen dahinvegetieren. Der VgT war vertreten durch Tierarzt Dr Franz-Joseph Plank, Geschäftsführer VgT Oesterreich, sowie Hans Palmers, Präsident VgT Österreich und Vizepräsident VgT Schweiz. Hans Palmers versuchte gleich zu Beginn, das Herz des Fürsten zu erreichen und erzählte von der Sensibilität der Schweine und deren Ähnlichkeit mit dem Menschen in vielen Bereichen. Der Fürst jedoch, welcher neben einem Vermögen von rund drei Milliarden Franken, in Niederösterreich 3 000 Hektar Ackerfläche und in ganz Österreich rund 13 300 Hektaren Wald besitzt, betrachtet die Schweine vorwiegend aus wirtschaftlicher Sicht. Immerhin gab er offen zu, dass "diese Art Intensivhaltung nicht artgerecht ist - keine Frage". Eine artgerechte Schweinehaltung sei aber nicht wirtschaftlich. Er lehnt nicht nur die Freilandhaltung, sondern auch die artgerechten Stallsysteme, die in neuerer Zeit in der Schweiz immer mehr aufkommen, für seinen Betrieb als wirtschaftlich nicht tragbar ab. Insgesamt hörte sich der Fürst alle Argumente zugunsten der leidenden Tiere immerzu höflich lächelnd an, liess aber keinerlei Anzeichen erkennen, seinen Betrieb in naher oder ferner Zukunft tierfreundlich gestalten zu wollen. Er blieb auch in einem nachfolgenden Briefwechsel bei dieser allein am Geld orientierten Haltung. Am 11. Januar 1994 antwortete ich ihm wie folgt:

Durchlaucht!
Besten Dank für Ihr Schreiben vom 28. Dezember. Es freut mich, dass überhaupt ein Gespräch stattfinden konnte. Aber leider konnte Hans Palmers auf seine sehr diplomatische und freundliche Art nichts erreichen. Was bleibt uns weiter, als mit spektakulären öffentlichen Aktionen auf die in Ihrem Namen leidenden Tiere aufmerksam zu machen? Unsere Forderung ist und bleibt die Erfüllung der grundlegendsten angeborenen Bedürfnisse der Tiere, die sich in Ihrer Obhut befinden. Was das bedeutet, ist wissenschaftlich ausreichend erforscht: Gruppenhaltung (keine Einzelhaltung in Kastenständen oder Anbindung) zur Auslebung des Sozial- und Bewegungsbedürfnisses, Beschäftigungsmöglichkeit (Stroh), Tageslicht, Trennung von Kot- und Liegeplatz. Es ist einfach nicht richtig, wenn Sie behaupten, dass dies auf wirtschaftliche Weise nicht erfüllt werden könne. Wir können Ihnen jederzeit international bekannte und anerkannte Experten nennen, die das bestätigen. Auch können wir Ihnen jederzeit tierfreundliche Schweineställe, die sich privatwirtschaftlich bewähren, zeigen - von einfachen privaten Bauern (nicht Milliardären) ohne Subventionen, unter freien wirtschaftlichen Konkurrenzbedingungen erstellt und betrieben. Ihre Schweinefabrik in Niederösterreich würde dem liechtensteinischen Tierschutzgesetz nicht genügen. Sie nützen also schamlos Gesetzeslücken aus, um auf Kosten Tausender empfindsamer Lebewesen Ihren ungeheuren Reichtum weiter zu vermehren. Sie können ja wohl nicht im Ernst behaupten, die genau gleiche Misshandlung der Tiere sei nur deshalb keine Tierquälerei, weil Ihr Betrieb in einem Land steht, das noch kein brauchbares Tierschutzgesetz hat. Das Leiden der Tiere hängt nicht von der geografischen Lage ab und auch nicht davon, was in irgendeinem Gesetzesbuch steht. Die Verhaltensbiologen sind sich international einig, dass die von Ihnen praktizierte Schweineintensivhaltung für die Tiere zu starken neurotischen Verhaltensstörungen und schwerem seelischem Leiden führt. Es ist einzig die Frage, ob Sie diese Tatsachen zur Kenntnis nehmen oder aus Profitdenken verdrängen wollen. Wenn sich eine Umstellung Ihres Betriebes auf eine verantwortbar artgerechte Tierhaltung wirtschaftlich nicht machen lässt, dann wäre der Betrieb stillzulegen. Auf keinen Fall ist es verständlich, dass ein Mensch von Ihrem Stand und Rang aus finanziellen Überlegungen Grausamkeit gegenüber Tieren ausübt oder unterstützt. Es gibt hierfür nicht die geringste Notwendigkeit, da niemand gezwungen ist, sich von Fleisch zu ernähren.
Ihrem Schreiben entnehme ich, dass Sie offenbar nicht nachempfinden können, dass sich ein Mensch mit grossem Einsatz und unter Verzicht auf viel Bequemlichkeit und ein hohes Einkommen für Tierschutz engagiert, schlicht und einfach nur aus Verantwortung gegenüber den wehrlosen, gequälten Tieren. Es würde sich vielleicht für Ihre menschliche - nicht nur finanzielle - Entwicklung lohnen, wenn Sie einmal ruhig und gründlich darüber nachdächten, warum das für Sie nicht nachvollziehbar ist. Ihr Wunsch, ich solle mich lieber für eine Verbesserung der Tierschutzvorschriften in Österreich einsetzen, anstatt Sie in Liechtenstein anzugreifen, ist aus Ihrer egoistischen Sicht begreiflich. Ich halte Sie aber für intelligent genug, selbst zu erkennen, warum dieser Wunsch mir nur ein müdes Lächeln entlocken kann. Es dürfte Ihnen übrigens bekannt sein, dass sich der VgT Österreich tatsächlich auch stark für ein bundeseinheitliches österreichisches Tierschutzgesetz einsetzt und sich nicht nur mit Ihnen beschäftigt. Für mich bleibt nach Durchsicht Ihres Briefes einmal mehr die Frage: mit welcher seelischen Kälte gegenüber Lebewesen wollen Sie eigentlich Ihr Riesenvermögen noch weiter vergrössern? Haben Sie auch schon darüber nachgedacht, was Ihnen auf dem Totenbett mehr Wert sein wird: ein um einige Millionen grösseres Vermögen oder eine gute Tat zugunsten Tausender von schrecklich vor-sich-hinleidender Tiere, die Ihnen wehrlos ausgeliefert sind?
Mit freundlichen Grüssen, Dr Erwin Kessler, Präsident VgT Schweiz und Vizepräsident VgT Österreich

Auf dieses Schreiben antwortete der Fürst mit einem zweiseitigen Brief, worin er jedoch nur seine bekannten Ansichten über Wirtschaftlichkeit wiederholte. Wir reagierten nicht mehr darauf und brachen die Korrespondenz als reine Zeitverschwendung ab und begannen mit Kampfaktionen.



Kundgebungen gegen das fürstliche Tier-KZ

Postzensur

Ende 1992 wollte der VgT ein Flugblatt mit Abbildungen aus der Tierfabrik von Fürst Hans Adam in alle Haushaltungen im Fürstentum verteilen lassen. Die Post weigerte sich, die Sendung anzunehmen, die fürstliche Regierung habe ihr dies verboten.


Standaktion mit lebenden Schweinchen

Am 12. Juni 1993 fuhr der VgT mit seinem Info-Wagen mit zwei lebenden Schweinchen nach Vaduz - ohne Bewilligung.
Der Bürgermeister von Vaduz, Arthur Konrad, hatte dem VgT nur eine Standbewilligung geben wollen unter der Voraussetzung, dass der VgT mit dem Liechtensteinischen Tierschutzverein zusammenarbeite. Ein durchsichtiger Schachzug: Eine Zusammenarbeit mit diesem (damals) konservativen, fürstentreuen Tierschutzverein würde die Aktivität des VgT im Fürstentum praktisch verhindern, dachte der Bürgermeister. Diesem Ansinnen machte VgT-Präsident Erwin Kessler einen Strich durch die Rechnung. Er kündigte dem Bürgermeister eine Klage wegen Amtsmissbrauch an, da diese unakzeptable Auflage für eine Standbewilligung ohne gesetzliche Grundlage und ohne sachliche Notwendigkeit gemacht wurde. Dies war wohl der Grund, warum dann der VgT während der Standaktion von der Polizei in Ruhe gelassen wurde. Den Passanten, darunter viele Touristen aus aller Welt, wurden Flugblätter verteilt, in denen die fürstliche Schweinefabrik auf Deutsch, Englisch, Französisch und Japanisch kritisiert wurde.

 

Zensurierter Diavortrag über die Schweinefabrik des Fürsten

Anschliessend an die Standaktion in Vaduz hielt der Geschäfsführer des VgT Österreich, Tierarzt Dr Franz-Joseph Plank, einen Diavortrag über die Schweinefabrik des Fürsten. Zu diesem Zweck war im Hotel-Restaurant “Deutscher Rhein” in Bendern ein Saal reserviert worden. Das Restaurant sperrte dann dem VgT diesen reservierten Saal kurzfristig, aus Angst vor dem mächtigen Fürsten. Der Vortrag wurde hierauf in den Saal des nahegelegenen Bahnhofbuffets Buchs verlegt. Die Ankündigung dieses Vortrages wurde von den Liechtensteinischen Behörden mit illegalen Mitteln unterdrückt: Die Austragung von Flugblättern mit der Einladung zum Vortrag wurde den PTT von der fürstlichen Regierung in einer Blitz-Verfügung verboten, und gegen VgT-Aktivisten, welche die Flugblätter selbst in Briefkästen verteilten, schritt die Polizei ein. Der VgT reichte deshalb gegen die Landespolizei Strafklage wegen Amtsmissbrauch ein. Am 3.12.93 lehnte die Fürstliche Staatsanwaltschaft diese Klage ohne Begründung ab, worauf der VgT den Fall an das Fürstlich Liechtensteinische Obergericht weiterzog. Dieses beschloss am 20. Januar 94, der Klage “aus formellen Gründen” keine Folge zu geben: der VgT sei von dieser Amtshandlung gegen seine Mitglieder nicht selbst berührt und deshalb nicht klageberechtigt. Es sei "daher nicht zu prüfen, ob die in der Anzeige behauptete Verfügung der Landespolizei rechtlich zulässig war oder nicht". Wenn eine Aktion des VgT von der Polizei verhindert wird, ist der VgT nach Ansicht des liechtensteinischen Obergerichtes davon "nicht berührt"! Politische Justizwillkür zugunsten des mächtigen Fürsten, besser verständlich, wenn man weiss, dass der Fürst das Recht hat, ihm nicht genehme Richter abzusetzen. Kritik am Fürsten ist in diesem sonderbaren Kleinstaat nicht erlaubt, auch wenn keine Ehrverletzung oder andere Unrechtmässigkeiten vorliegen. Durchlaucht ist offenbar über jede Kritik erhaben, nur nicht über schwerste und primitivste Vergewaltigung von Tieren aus reiner Habgier. Beide Liechtensteiner Tageszeitungen verweigerten die Annahme von Inseraten, in denen der Diavortrag angekündigt wurde, "weil das der Zeitung schaden könnte". Dafür brachte die (damalige) “Liechtensteinische Zeitung” einen Beitrag des Landestierarztes und ehemaligen Präsidenten des liechtensteinischen Tierschutzvereins, Dr med vet Erich Goop, worin dieser sich in den höchsten Tönen zu Gunsten des Fürsten einsetzte, die Aktionen des VgT verurteilte und VgT-Präsident Erwin Kessler mit Beschimpfungen überhäufte



Plakat-Aktion und Verhaftung

Als Reaktion auf die Uneinsichtigkeit des Fürsten und auf die Post- und Pressezensur beklebte eine Gruppe Aktivisten in einer Nachtaktion das ganze Fürstentum mit Plakaten, auf denen die fürstliche Schweinerei abgebildet war:

Ein paar der Aktivisten wurden von der Polizei gefasst, in Handschellen abgeführt und in kleine, muffige Zellen gesperrt. Das Aufsuchen der Toilette wurde nicht erlaubt; stattdessen wurde ein Plastiksack in die Zelle gereicht. Gegenüber der Presse bestritt dann der fürstliche Polizeikommandant diese Verhaftung und behauptete, es sei lediglich eine Feststellung der Personalien durchgeführt worden.



VgT-Flugwaffe im Einsatz: Luftangriff auf Schloss Vaduz

Da die liechtensteinischen Behörden den VgT wiederholt daran gehindert hatten, Flugblätter in Briefkästen zu verteilen, setzte der VgT am 14. Februar 1994 erstmals seine Flugwaffe ein, scharf beobachtet von der Presse. Mit einem (Modell-)”Kampfhelikopter” wurden rund 1000 Flugblätter auf das Schloss Vaduz, Sitz des durchlauchten Tierquälers, abgworfen:




 

Demonstration vor dem Schloss: “Fürst, erbarme dich deiner Schweine!”

Am 3. Mai 1994 organisierte der VgT eine friedliche Demonstration. Der Umzug bewegte sich mit Spruchbändern und Tafeln mit der Aufschrift “Fürst, erbarme dich deiner Schweine” von Vaduz zum Schloss hinauf. Die Demonstration verlief ohne Zwischenfälle.

Vgt-Präsident Dr Erwin Kessler und Vizepräsident Hans Vanja Palmers erklären einem Vaduzer Polizisten höflich aber bestimmt, dass die unbewilligte Demonstration nicht abgebrochen werde:



Aus dem Liechtensteiner Volksblatt vom 12.1.95:
"
Militantes aus Liechtenstein"
von Jürgen Thöny, Schaan

Als Referent bei Wirtekursen zum Thema «Ökologie im Gastgewerbe» zeige ich jeweils einige Dias über artgerechte und katastrophale Tierhaltung, Dias vom Verein gegen Tierfabriken. Jedesmal werde ich mit Fragen zur «fürstlichen» Sckweinezucht bombardiert. Als treuer Liechtensteiner müsste ich folgende Antwort geben: «In der Zeitung des Volkes und in der des Vaterlandes konnte ich mich ausführlich informieren. Der militante Kessler ist durch diverse staatsfeindliche Operationen aufgefallen. Der Staatsschutz befasst sich bereits mit dieser Angelegenheit. Was die Tiere betrifft, kann ich Ihnen versichern, dass diese ökonomisch optimiert gehalten werden, so dass sich kein Fleischverlust durch unnötiges Bewegen ergibt.» Momoll! Was erzählt denn der für einen Schmarren!

Nach dem peinlichen Fall «Michael Heinzel» nun der Fall «Kessler». Stern TV, Radio DRS, Beobachter und sonstige Blätter berichten über die katastrophale Tierhaltung in den Ställen der Fürst-von-Liechtenstein-Stiftung. Monate später lesen wir in den Liechtensteiner Zeitungen über einen anscheinend krankhaften «Erwin Kessler», der sich u.a. der Sachbeschädigung wegen des Anbringens von Plakaten an Bushaltestellen strafbar gemacht habe. Er hat sich erlaubt, Flugblätter (ohne amtliches Kundmachen) zu verbreiten, und dies noch an Orten, wo sich Menschen aufhalten. Selbstverständlich werden die Anschuldigungen von Kessler wie bereits der legendäre Eiterbeulen-Satz von Heinzel, mehrmals mit Freuden abgedruckt. In Anführungszeichen versteht sich. Weshalb gibt es keinen Reporter in unserem Lande, der einen Tatsachen-Bericht über diese ominöse Schweinezucht veröffentlicht. Haben alle Angst vor dem Staatsschutz-Gesetz oder warten sie auf einen fertigen Bericht per Telefax?

Wer einem Interview mit Kessler zuhören konnte, wird mir vielleicht zustimmen: Kessler ist weder ein Staatsfeind noch ein randalierender Demonstrant. Kessler hat versucht, über den Fürsten ein Mindestmass an (gesetzlich vorgeschriebenem) Tierschutz in dieser «Porco-Depressivo-Anstalt» durchzusetzen. Einen Tierschutz, der uns Konsumenten zusteht, denn wer will heute noch ein Stück Fleisch von einem gestressten, medikamentensüchtigen Tier essen, das sich in der Pfanne zu 30 Prozent in Wasserdampf auflöst?

Leider haben viele falsch reagiert, zum Schaden von Kessler, Liechtensteins und natürlich der Schweine. Kleinigkeiten zeigen eben, ob ein Land die geistige Grösse hat, z. B. um beim EWR mitzumischen. Oder soll uns der EWR die Grösse geben?

 

Der noble Fürst beschimpft und verleumdet

(EK) Dass der Fürst gegenüber unseren Mitgeschöpfen weder Mitgefühl noch Anstand hat, haben wir gesehen. Nicht verwunderlich, dass sich diese Charaktereigenschaft früher oder später auch gegen Menschen richtet. Auf die berechtigte Kritik an seiner üblen Schweinefabrik reagierte der Fürst mit ehrverletzenden Beschimpfungen: Wir würden bei unserer Tierschutzarbeiten Nazi-Methoden anwenden und: "Dieser Verein jedenfalls scheut nicht davor zurück, recht massive Gesetzesverletzungen zu machen. Wir wissen von einem Fall, bei dem diese Gruppe in einem Betrieb eingebrochen ist und einen Mann niedergeschlagen hat." (Liechtensteiner Vaterland" vom 21. Januar 1994).

Dies liessen wir uns nicht gefallen und verlangten, gestützt auf den Persönlichkeitsschutz gemäss ZGB 28, eine gerichtliche Richtigstellung. Das Verfahren wurde von den Schweizer Justizbehörden mit allen Mitteln behindert. Wir versuchten es auf verschiedenen Wegen. Das Bundesamt für Polizeiwesen weigerte sich, die Vorladung des Friedensrichters an den Fürsten weiterzuleiten. In der Schweiz sind wir schon so weit, dass Beamte nach Gutdünken über Gerichtsverfahren entscheiden. Das Bundesgericht wies eine staatsrechtliche Beschwerde gegen diese Willkür ab mit der Begründung, der Fürst sei "strafrechtlich immun". Die Herren Bundesrichter entscheiden routinemässig gegen den VgT, ohne sich anständig mit der Sache zu befassen. Darum haben sie nicht einmal gemerkt - oder wollten nicht sehen -, dass es gar nicht um ein Strafverfahren ging, sondern um ein zivilrechtliches Begehren auf Richtigstellung. Zudem geht es bei der Auseinandersetzung um die Schweinefabrik des Fürsten um eine Privatangelegenheit, auf die diplomatische Immunität sowieso nicht anwendbar ist. Dagegen erhob Rechtsanwalt Ludwig Minelli namens des VgT Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR).

Der EGMR trat auf die Beschwerde nicht ein und erklärte die Beschwerde mit einer immer gleichlautenden einzeiligen Floskel als unzulässig - der übliche, verlogene Missbrauch des Zulassungsverfahrens.

*

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