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Das traurige Leben der Walliser Kettenkühe

Wie verbringen die Walliser Kühe den langen Winter? Das wollte der VgT wissen und sah sich vor Ort um. Ergebnis: Etwa 95 % der Kühe erhalten den gesetzlich vorgeschriebenen Winterauslauf nicht.

Ein paar ganz normale Beispiele:

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Bild oben:
Leukerbad, beim Rondell bei AGIP-Tankstelle/Hotel Alpenblick: Moderner Kuhstall mit einem unbenützten Alibi-Auslauf unterhalb des Stalles. Mit einer Elektrisiervorrichtung, einem sog "Kuhtrainer", wird die Bewegungsmöglichkeit der angeketten Kühe noch zusätzlich eingeschränkt. Wenn es sie juckt, können sie sich nicht lecken, ohne einen Stromschlag zu erhalten.

Bild unten:
Ebenfalls in Leukerbad, an der Strasse nach Albinen, ein moderner Betrieb mit unbenütztem Alibi-Auslauf. Die Bewegungsfreiheit der angebundenen Kühe ist zusätzlich durch einen elektrischen Kuhtrainer eingeschränkt:

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Kettenkühe auch unterhalb des Dorfes Leukerbades, oberhalb der Hauptstrasse:

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Die Tierschutzverordnung verlangt für angebundene Kühe, Rinder und Munis (Kälber dürfen nicht angebunden werden) im Winter mindestens ein- bis zweimal Auslauf pro Woche, im ganzen Winter mindestens 30 mal. Von dieser Tierschutzvorschrift merken die Kühe im Kanton Wallis kaum etwas. Als ob es kein Tierschutzgesetz gäbe, verbringen die meisten von ihnen die langen Winter zwischen den relativ kurzen Alpzeiten dauernd an der Kette. 

In alten Walliser Gaden verbringen Kühe, Schafe und Ziegen jedes Jahr viele Monate in dunklen Löchern, Kühe und Ziegen zudem angekettet. Sie können nur monatelang gegen die Wand starren, sich nicht umdrehen, keinen Schritt gehen.

Im Vordergrund: Ketten-Kühe ohne Winterauslauf in Leukerbad - Tierelend in dunklen, engen Löchern vor der mondänen Hotel-Skyline (Hintergrund):

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So sehen diese Hütten aus der Nähe aus: Links tierquälerische Kaninchenkästen. Rechts, hinter der oben offenen Stalltüre die Kettenkühe im fensterlosen, dunklen Schopf:

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Kühe den ganzen Winter an der Kette in einem dunklen Gaden in Grächen (Strasse Visp-Zermatt):

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Wie gerne würden die Kühe an der Sonne im Schnee herum stapfen und sich wieder einmal frei bewegen und ausgiebig lecken. Doch der Alibi-Auslauf ist unbenützt. Der alte Schnee zeigt keinerlei Tritt- oder Mistspuren:

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Stall mit angeketteten Kühen, Auslauf unbenützt, an der Hauptstrasse in St Niklaus (Visp-Zermatt):

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Kettenkühe in einem fensterlosen Keller an der Haupstrasse in Stalden (Visp-Zermatt):

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Kettenkühe in einem fensterlosen Gaden in Reckingen (Goms):

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Den ganzen Winter gegen die schwarze Wand starren:

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Kettenkühe in Naters, mitten im Dorf, in einem fensterlosen Raum (vom Blitzlicht des Fotografen erhellt):

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In diesem Loch in Naters werden Ziegen an der Kette "überwintert":

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Kettenkühe in fensterlosem Stall am Sportplatzweg in Naters:

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Im dunklen Raum hinter dieser Türe sind die Kühe an der Kette, ohne Auslauf:

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Kettenkühe in Mörel an der Hauptstrasse Brig-Münster:

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Mist und Gülle in den Bach hinunter:

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Auch die Hobby-Tierquälerei fehlt nicht im Wallis: Kastenhaltung von Kaninchen. Jedes Tier einzeln in einem Abteil - qualvolle soziale Isolation. Bei winterlicher Kälte auf 1600 Meter Höhe über Meer sitzen diese Kaninchen in Grächen ohne ein weiches, warmes Schlafnest auf harten, kalten Kunststoffplatten mit ganz wenig Sägemehl, nicht einmal bodenbedeckend, - apathisch von der lebenslänglichen, einsamen Gefangenschaft in einem engen Kastenfach:

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Sogar bei mehreren Gomser Bio-Knospen-Betrieben war der Auslauf bei wiederholten Kontrollen unbenützt: Keine Spuren einer Benützung in den letzten Tagen, obwohl die Bio-Werbung eine "tiergerechte Haltung" und "regelmässigen Auslauf, auch im Winter", verspricht.

Gomser Bio-Betrieb in Gluringen - Auslauf unbenützt:

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Auch hinter dem Hof ist der Auslauf offensichtlich schon länger nicht mehr benützt worden. Keinerlei Spuren der letzten Tage im Schnee:

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Kettenkühe in einem anderen Gomser Bio-Betrieb in Gluringen. Im Auslauf hat es lediglich Fahrspuren:

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Gomser Bio-Betrieb in Biel/Goms. Alibi-Auslauf unbenützt:

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Die Konsumenten müssten halt bereit sein, etwas mehr zu zahlen zum Wohle der Tiere, heisst es dauernd von seiten der Aggrolobby. Und die idealistischen Konsumenten die das tun, werden immer wieder skrupellos betrogen. Trotz höheren Konsumentenpreisen und staatlichen Subventionen für "Freilandhaltung" sind viele Gomser Bio-Bauern zu faul, um die Stalltüre zu öffnen und den Kettenkühen etwas Bewegung zu ermöglichen. Oft ist zwar ein Auslauf eingezäunt, aber offensichtlich nicht benützt – eine betrügerische Alibimassnahme.

Nachdem wir diese Missstände veröffentlicht haben, wurden wir eingeklagt. Unsere Kritik an diesen Biobauern sollte mit einem richterlichen Verbot abgewürgt werden. Dann wurde Besserung versprochen und die Klage zurückgezogen. Im Gegenzug versprachen wir, unsere Kritik im Internet einstweilen zu löschen und die Möglichkeit zur Besserung zu geben. Im Walliserboten hiess es dann dazu, wir hätten bei unseren Recherchen Fehler gemacht und deshalb den Bericht zurückgezogen (siehe dazu www.vgt.ch/news/010427.htm). Wir werden den Kanton Wallis - auch die Biobauern - weiter im Auge behalten und die Leser der VgT-Nachrichten weiter informieren.


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