VN2002-1 /Jan 2002

NACHTRAG: Seit der Intevention des VgT hält die Klinik Waldhaus keine Schweine mehr

Schweinestall der kantonalen Psychiatrischen Klinik "Waldhaus" in Chur

Gebärende und säugende Mutterschweine werden in nur gerade körpergrosse Folterkäfige (sog Kastenstände) eingesperrt, wo sie laut wissenschaftlichen Untersuchungen neurotisch-verhaltensgestört werden, ein objektives Anzeichen von schwerem seelischen Leiden.

Tierquälerische Kastenstandhaltung von Mutterschweine in der Psychiatrischen Klinik "Waldhaus":

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Unbehandeltes Geschwür (Dekubitus), wahrscheinlich entstanden durch das Liegen auf dem einstreulosen, rauhen Zementboden:

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Die gesetzlich vorgeschriebene Stroheinstreu (Artikel 23 Tierschutzverordnung) fehlt:

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Gegen den landwirtschaftlichen Betriebsleiter der Klinik hat der VgT eine Strafanzeige eingereicht, weil - wie die Aufnahmen belegen - die gesetzlich vorgeschriebene Stroheinstreu für gebärende und säugende Muttersauen fehlt. Ebenfalls zu sehen ist ein Muttertier mit einem grossen Geschwür an der Schulter, das durch das Liegen auf dem rauhen, einstreulosen Zementboden entstanden ist. Dass dieses Geschwür offensichtlich nicht tierärztlich behandelt worden ist, stellt eine weitere Verletzung klarer Tierschutzvorschriften. (Strafuntersuchung gegen den landwirtschaftlichen Betriebsleiter der Psychiatrischen Klinik Waldhaus)

Gemäss einem rechtskräftigen Gerichtsurteil (Schweinestall des Klosters Notkersegg bei St Galle, inzwischen tierfreundlich umgebaut) stellt fest, dass diese Art von Schweinehaltung gesetzwidrig ist und als Tierquälerei bezeichnet werden darf. Trotzdem werden diese Folterkäfige von den Behörden heute noch landesweit geduldet - eine Bankrotterklärung der Demokratie und des Rechtsstaates.

Die intelligenten, empfindsamen Schweine - hoch entwickelte Säugetiere - sehnen sich wie wir nach ein bisschen Lebensfreude. Sie möchten herumspringen und spielen, an der Sonne liegen, Neues erkunden - ähnlich wie Kinder.

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Aufnahme bei VgT-Präsident Erwin Kessler

Schweine sind vom Schöpfer nicht dazu erschaffen worden, in extremer Enge und Eintönigkeit ihr ganzes Leben zu verbringen, im Dauergedränge mit Artgenossen, und immer nur die gleichen vier Wände zu sehen. 0,6 Quadratmeter Lebensraum gewährt ihnen die Tierschutzverordnung des Bundesrates - eine Verhöhnung des vom Volk vor über zwanzig Jahren mit grossem Mehr gutgeheissenen Tierschutzgesetzes, welches gemäss Artikel 1 für das "Wohlbefinden" der von Menschen gehaltenen Tiere sorgen soll und in Artikel 2 vorschreibt: "Tiere sind so zu behandeln, dass ihren Bedürfnissen in bestmöglicher Weise Rechnung getragen werden. Wer mit Tieren umgeht, hat, soweit es der Verwendungszweck zulässt, für deren Wohlbefinden zu sorgen." Um diese vom Volk beschlossenen grundlegenden Bestimmungen kümmern sich weder Tierhalter noch Tierschutzbeamte. Dass Schweine in einer solchen brutalen Intensivhaltung krass entgegen ihren angeborenen Verhaltensweisen und Bedürfnissen ständig am selben Ort koten, harnen, fressen und schlafen müssen, widerspricht dem Tierschutzgesetz ganz klar. Es ist bekannt und wissenschaftlich erforscht, dass Schweine - wenn sie es können - Kot- und Liegeplatz sauber trennen. Am Abend möchten sie sich in ein weiches, warmes Nest kuscheln. Im Freigehege tragen sie Stroh, Laub und Zweige zusammen und bauen sich ein gemeinsames Schlafnest. Wenn sie in diesem staatlichen Tier-KZ ihren Kopf zum Schlafen müde auf den Boden legen, liegt ihre Nase dort, wo sie vorher koten und harnen mussten. Die elementarsten Bedürfnisse der Tiere werden so unterdrückt - entgegen dem Tierschutzgesetz, entgegen elementarster ethischer Verantwortung und entgegen religiösem Mitgefühl. Dies verletzt nicht nur Artikel 2 des Tierschutzgesetzes sondern auch Artikel 1 der bundesrätlichen Verordnung, der lautet: "Tiere sind so zu halten, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört werden und ihr Anpassungsfähigkeit nicht überfordert wird. Fütterung, Pflege und Unterkunft sind angemessen, wenn sie nach dem Stand der Erfahrung und den Erkenntnissen der Physiologie, Verhaltenskunde und Hygiene den Bedürfnissen der Tiere entsprechen."

Jungschweine im Tier-KZ der Psychiatrischen Klinik Waldhaus:

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Der Ort des staatlichen Tier-Elendes von aussen

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Tierquälerisch ist auch der elektrische Kuhtrainer im Kuhstall: "Erziehung" der Kühe mittels Elektroschocks. Das ist ein elektrisch geladener Bügel eine Handbreite über dem Rücken der Kühe. Zum Koten und Harnen machen Kühe einen Buckel. Dabei berühren sie den Bügel und erhalten einen elektrischen Schlag. Mit der Zeit lernen sie, diesem Elektroschock auszuweisen, indem sie vor dem Koten und Harnen ein Schrittchen zurückweiche, soviel es die Anbindevorrichtung erlaubt. Damit wird erreicht, dass der Kot schön brav in den Kotgraben fällt. Nun werden die armen Kühe aber nicht nur beim Koten und Harnen elektrisiert, sondern auch bei sonstigen Bewegungen, insbesondere wenn sie sich Lecken wollen. Der Kuhtrainer führt deshalb dazu, dass die durch die Anbindung ohnehin schon stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit zusätzlich eingeschränkt wird und die Kühe ständig natürliche Bewegungen unterdrücken müssen. Das führt zu einer   einer ständigen Verkrampfung der Tiere. Wissentschaftliche Untersuchungen der eidgenössischen Forschungsanstalt für Betriebswirtschaft und Landtechnik haben nun aber schon vor vielen Jahren aufgzeigt, dass der Kuhtrainer einen verherenden Einfluss auf das Wohlbefinden der Tiere hat (Literatur: "Der Kuhtrainer", Bericht der eidg Forschungsanstalt für Betriebswirtschaft und Landtechnik). Agrotechnokraten verharmlosen den Kuhtrainer mit der Behauptung, dieser sei nicht immer eingeschaltet. Das hilft den Tieren jedoch wenig. Das intermittierende Einschalten der Kuhtrainer wirkt sich wie folgt aus:  Die Kuh Belinda spürt am hinteren Körperteil ein lästiges Jucken. Sie schwingt den Kopf rückwärts, um mit herausgestreckter Zunge die juckende Stelle zu erreichen, bricht die Bewegung aber unter dem Schock eines elektrischen Schlages ab. Belinda ist unsanft daran erinnert worden, dass sie nicht frei auf der Weide steht, sondern angekettet an der Futterkrippe, von einem Elektrisierapparat zusätzlich in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Diesen elektrischen Schlag vergisst sie nicht so rasch wieder. Die nächsten Tage verbringt sie bewegungsarm fast in Achtungstellung. Ihre natürlichen Bewegungen beim Aufstehen und Abliegen und zum Lecken von Hals und Kopf der Nachbarkuh oder ihres hinteren Körperbereiches unterdrückt sie weitgehend bzw führt diese nur noch verhalten und verkrampft ganz minimal durch. Nach ein paar Tagen hat sie diese elektrische Bedrohung nicht mehr ständig im Bewusstsein und wird in ihren Bewegung wieder etwas lockerer. Das merkt auch der Stallmeister, der deshalb den Kuhtrainer jetzt wieder einschaltet. Dies führt auf die Dauer zu einer anhaltenden Verkrampfung und zu Fruchtbarkeitsstörungen. Die Mehrzahl der Tierärzte lehnt deshalb den Kuhtrainer ab, wie eine in der Fachzeitschrift SwissVet (Nr 5, 1992, Seite 25) publizierte Umfrage ergeben hat. Diese Tierquälervorrichtung ist auf Biobetrieben verboten, weil es zumutbare, praxiserprobte Alternativen gibt.

Elektrischen Zäune auf der Weide sind unproblematisch, weil die Tiere den elektrischen Schlägen nach kurzer Lernphase ausweichen können, ohne unnatürliche Verhaltensweisen anzunehmen. Im Stall dagegen unterdrückt der Kuhtrainer natürliche, angeborene Verhaltensweisen. „Überforderung des Anpassungsvermögens" ist die wissenschaftliche Ausdrucksweise für den landläufigen Begriff Tierquälerei. Da auch für den Kuhtrainer wissenschaftlich belegt ist - und zwar nicht durch irgend ein unbekanntes ausländisches Institut, sondern durch die wissenschaftliche Sektion des Bundesamtes für Veterinärwesen an der eidg Forschungsanstalt in Tänikon -, dass das Anpassungsvermögen der Tiere überfordert wird, verletzt die Duldung dieser Tierquälerei den Artikel 2 des Tierschutzgesetzes und Artikel 1 der Tierschutzverordnung.

 

Rascher, intelligenter und menschlicher als das sture, rechthaberische Kloster Disentis reagierte die Leitung der Psychiatrischen Klinik, als der VgT die obigen Bilder veröffentlichte. Der Klinik-Direktor, der erst seit kurzem die Leitung dieser Klinik übernommen hatte, erklärte, die VgT-Kritik sei berechtigt. Er leitete sofort provisorische Verbesserungen ein (einen Auslauf ins Freie). Ende 2001 wird der Schweinestall stillgelegt. Die provisorischen Sofortmassnahmen konnten bereits anlässlich der Pfingstdemo des VgT besichtigt werden; sie wurden wenige Tage vorher realisiert:

Pfingstdemo
3. Juni 2001

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Dieses Spruchband wurde nach Besichtigung der realisierten Sofortmassnahmen noch während der Demo entfernt, als Anerkennung für das rasche Handeln der Verantwortlichen. Die Schweine können den üblen Stall jetzt wenigstens in einen improvisierten Auslauf hinaus verlassen:

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