26. Oktober 1999

Überfall einer Bande aus Metzgern und Mäster auf VgT-Aktivistinnen in Lachen:

Gerichtsverhandlung mit Eclat!

Heute fand vor dem Kantonsgericht Schwyz die Berufungsverhandlung gegen die Bande von Metzgern und Mästern, welche in Lachen friedlich für vegetarische Ernährung demonstrierende VgT-Aktivistinnen überfallen und brutal zusammengeschlagen haben, statt. Erwin Kessler, Rechtsvertreter der Opfer, hatte Berufung gegen das zu milde erstinstanzliche Urteil erklärt. In seinem heutigen Plädoyer wandte er sich vorallem gegen die Gewährung des bedingten Strafvollzuges und führte dazu aus:

Die Gewährung des bedingten Strafvollzuges darf gemäss Strafgesetzbuch Artikel 41 nur gewährt werden, wenn zu erwarten ist, dass der Verurteilte sich dadurch von weiteren Straftaten abhalten lasse und wenn er den Schaden ersetzt hat (dazu Stratenwerth: Schweizerisches Strafrecht, Allg Teil II, 1989, Seite 138).

Beide Voraussetzungen sind im vorliegenden Fall nicht erfüllt:

Die Angeklagten haben den angerichteten Schaden bis heute nicht ersetzt; stattdessen bestreiten sie diesen mutwillig. Die Angeklagten Ernst Rickenbach und Guido Züger haben sogar ausdrücklich festgehalten, dass sie nicht bereit sind, den angerichteten Schaden zu ersetzen. Mit Datum vom 22. Juni 1998 haben sie dem Verhörrichter schriftlich mitgeteilt (Zitat): "Die Zivilforderung wird vollumfänglich abgelehnt. Wenn ein Schaden entstanden ist, haben dies die vier Frauen selber zu verantworten."

Damit haben die Haupt-Angeklagten ihre Uneinsichtigkeit, welche sie im gesamten Verfahren bis heute an den Tag legten, sogar noch ausdrücklich und schriftlich festgehalten.

Im ganzen Verlauf des Verfahrens kam die Uneinsichtigkeit der Angeklagten deutlich zum Ausdruck:

Zeitlich erstreckte sich das Ableugnen über 20 Monate. Nacht der Tat stritten alle Angeklagten die Tat hartnäckig ab; ich verweise auf die Einvernahme-Protokolle. Die Täter sprachen ihre Aussage untereinander dahingehend ab, dass lediglich Schweinemäster Züger eine Ohrfeige ausgeteilt habe und die Opfer sonst nicht berührt worden seien. Dank Zeugen und ärztlichen Zeugnissen konnten die bis zu letzt ableugnenden Täter überführt werden.

Die Opfer haben folgende Verletzungen erlitten:

Fabienne B: Hirnerschütterung, Prellungen am rechten Hinterkopf und Mittelhaupt, Prellungen linke Niere, Ohrensausen, Kopfweh, Rückenschmerzen, verschlechterte Funktion der Hals-Wirbel-Säule. Dauernde Einbuchtung am Kopf , die heute noch ohne weiteres durch Abtasten festgestellt werden können.

Marlène G: Hirnerschütterung, Prellung mit Bluterguss des linken Auges mit bleibender Hautverfärbung, die chirurgisch behoben werden musste, Prellung des rechten Ellbogens, Prellung des rechten Oberschenkels, Prellung Unterleib. Arbeitsunfähigkeit zwei Wochen zu 100 %und weitere zwei Wochen zu 50 %.

Marcela F: Psychisches Schocksyndrom mit schweren Schlafstörungen und Alpträumen über ca 7 Wochen. Nicht kontrollierbare Angst- und Panikgefühle gegenüber kräftigen Männern mit ähnlicher Physiognomie wie die Täter. Posttraumatisches Belastungssyndrom als Nachwirkung eines Schockerlebnisses.

Auch noch ein Jahr nach der Tat wurde bei den untersuchungsrichterlichen Einvernahmen weder Reue noch Einsicht gezeigt. Als der Verhörrichter dem angeklagten Metzger Rickenbach die Verletzungen vorlas, welche die Opfer erlitten hatten, grinste dieser nur frech, ohne jede Betroffenheit.

Bis heute hat sich keiner der Täter bei den Opfern in irgend einer Form entschuldigt. Das letzte Wort der Täter, kurz vor dem Strafbefehl war das Schreiben an das Verhöramt, in dem sie rechthaberisch und arrogant festhielten: "Wenn ein Schaden entstanden ist, haben dies die vier Frauen selber zu verantworten."

Mit anderen Worten wurden die Frauen nach Auffassung der Täter zu recht zusammengeschlagen, obwohl diese weder provoziert noch sich gewehrt hatten. Die Täter fühlen sich moralisch berechtigt, friedliche Bürger, die ohne jede Provokation friedlich für ein anständiges Anliegen werben, bandenmässig zu überfallen und Zusammenzuschlagen.

Wenn der Strafbefehl nicht von Seiten der Opfer angefochten worden wäre, wäre die ein Jahr nach dem Überfall erfolgte Äusserung der Täter, die Opfer seien selber schuld, das Letzte gewesen, was die Opfer von den Tätern vernommen hätten.

Die Tat gestanden - wohlgemerkt ohne jede Reue - haben die Täter eindeutig nur in der Hoffnung, damit ein öffentliches Gerichtsverfahren vermeiden zu können. Diese Motivation zur Schuldanerkennung lässt sich den Einvernahmeprotokollen klar entnehmen. Sie fühlten sich moralisch überhaupt nicht schuldig, sondern anerkannten den Schuldvorhalt rein taktisch.

Ebenso rein taktisch sprachen sie dann an der Verhandlung vor dem Strafgericht ihr angebliches Bedauern über die Tat auf. Zu dieser Äusserung des Bedauerns mussten sie vom Richter geradezu suggestiv zuerst aufgefordert werden.

Das taktische Bedauern der Täter, das sie vor dem Strafgericht erstmals aussprachen, schloss keinerlei Mitleid oder Reue gegenüber den Opfern ein, sondern lediglich das Bedauern darüber, dass ein Strafverfahren verursacht wurde, also eigentlich ein Bedauern mit sich selbst. Bis heute hat sich keiner der Täter bei den Opfern entschuldigt.

Insgesamt fühlen sich die Täter offensichtlich moralisch im Recht. Wer ihren egoistischen Geschäftsinteressen schadet, der ist - nach ihren eigenen Worten - selber schuld, wenn er brutal zusammengeschlagen wird. Das einzige, was sich die Täter offenbar vorgenommen haben, ist, sich das nächste mal nicht erwischen und überführen zu lassen.

Die fehlende Reue und Einsicht der Bande in das moralische Unrecht muss vor dem Hintergrund der besonderen Verwerflichkeit der Tat gesehen werden. Die Tat war derart primitiv, dass kein gesunder Mensch - welche Weltanschauung er auch vertritt - dafür Verständnis aufbringen kann. Ich fasse deshalb den Tathergang kurz zusammen:

Am Sonntagabend, den 20. Juli 1997, befestigten vier VgT-Aktivistinnen an den Geländern einer Autobahnbrücke bei Lachen zwei Spruchbänder mit dem Text "Essen Sie heute vegetarisch - Ihrer Gesundheit und den Tieren zu liebe." Eine der Frauen trug eine Kuhkopfmaske. Insgesamt eine absolut friedliche Kundgebung.

Metzger Rickenbach, der in Galgenen eine Metzgerei betreibt und am Reitfest mit einem Wurstgrill vertreten war, hörte von dieser Kundgebung. Er fuhr mit seinem Lieferwagen dorthin und beschimpfte die Frauen mit Wörtern wie "Dräckfutze" und gab durch das offene Autofenster der Frau mit der Kuhkopfmaske von hinten einen Schlag gegen die Maske. Aber allein getraute sich Rickenbach, nicht, die vier Frauen zu überfallen. Er fuhr deshalb zum Reitfest zurück und trommelte dort die anderen Täter zusammen. Zu sechst fuhren sie dann zur Brücke zurück. Neben der zahlen- und kräftemässigen Übermacht nutzte die Bande auch den Überraschungseffekt: Auf der Brücke angekommen rannten die Männer überfallartig aus dem Wagen. Metzger Rickenbach und Schweinemäster Guido Züger stürzten sich sofort auf zwei der Frauen und schlugen diese über längere Zeit zusammen. Züger griff nach dem Aussteigen sofort die Frau mit der Kuhmaske an und begann diese zusammenzuschlagen, während er sie beschimpfte, unter anderem mit den Worten "Jetz mached mir euch kaputt", "Soufutze", "Tierschützerhuren" (Einvernahme Marlène Reinert vom 20. Juli 97, Seite 2). Unter den Schlägen fielen die Frauen mehrfach zu Boden und gegen die Leitplanken. Am Boden wurden sie mit Fusstritten weiter traktiert. Die junge Frau mit den langen blonden Haaren wurde dann an den Haaren vom Boden heraufgezogen und weiter geschlagen. Damit sie nicht ständig hinfiel wurde sie mit einer Hand gehalten, mit der anderen Hand wurde zugeschlagen.

Die Gewährung des bedingten Strafvollzuges für Angeklagte, die nach einer derart offensichtlich verwerflichen Tat keinerlei Reue zeigten und im Gegenteil noch ein Jahr nach der Tat behaupteten, die Opfer seien selber schuld, ist rechtswidrig. Die Vorinstanz hat die Beweise für die Uneinsichtigkeit nicht gewürdigt; das stellt eine willkürliche Beweiswürdigung dar.

Nach dem Plädoyer von Erwin Kessler kam das Plädoyer des Verteidigers der Täter, Rechtsanwalt Herbert Trachsel, an die Reihe. Da er zur Sache selbst kaum Argumente hatte, konzentrierte er sich erneut - wie schon vor der ersten Instanz - auf persönliche Angriffe gegen Erwin Kessler, der indessen in diesem Verfahren nicht Partei, sondern lediglich Rechtsvertreter ist. Erwin Kessler unterbrach dessen Angriffe und verlangte vom Gerichtspräsidenten, diese Stimmungsmache, die mit dem Verfahren nicht das Geringste zu tun hatte, zu stoppen, ansonsten er von seinem Notwehrrecht gegen Ehrverletzungen Gebrauch machen werde - was er kurz darauf auch tat: Er ging zum plädierenden Anwalt der Täter hinüber, der mit Attacken gegen ihn fortfuhr, und nahm ihm kurzerhand die Plädoyer-Notizen weg, was dessen Rede jäh beendete. Der Gerichtspräsident verlangte die Rückgabe der Notizen, was Erwin Kessler verweigerte: wenn das Gericht nicht für Anstand und Ordnung sorge, müsse er sich halt selber wehren. Hierauf drohte der Gerichtspräsident mit der Wegweisung aus dem Gerichtssaal, was Erwin Kessler indessen nicht abwartete: unter Protest verliess er mit den Geschädigten den Gerichtssaal.

Was das Gericht schlussendlich entschieden hat, ist wohl morgen aus der Presse zu erfahren.

Die gerichtliche Auseinandersetzung mit den Tätern ist damit jedenfalls noch nicht beendet, nur schon deshalb, weil sich die Täter weigern, den angerichteten Schaden in Höhe von rund 19 000 Fr zu bezahlen.

Der VgT wird nächstes Jahr in einer Sonderausgabe der "VgT-Nachrichten" für den Kanton Schwyz ausführlich über den Fall berichten, insbesondere auch über die verlogene Berichterstattung des konservativen Lokalblattes "Bote der Urschweiz".


NEWS-VERZEICHNIS

HOMEPAGE

(c) Verein gegen Tierfabriken Schweiz
Technische Mängel (nichtfunktionierende Links, Text-Fehler etc) bitte an den Webmaster
URL: http://www.vgt.ch/news/991026.htm