22. August 1999

Flugblatt-Aktion gegen tierschutzfeindlichen Landwirt in Hedingen/ZH

Gestern Samstag hat eine Gruppe VgT-Aktivisten in Hedingen/ZH das folgende Flugblatt in alle Briefkästen verteilt. Der betroffene Bauer stoppte mit seinem Traktor eine VgT-Aktivistin und wollte ihr die Flugblätter entreissen. Sonst kam es zu keinen Zwischenfällen.

 

An die Einwohner von Hedingen 

Die Kühe von Landwirt Baumann an der Hausackerstr in Hedingen kommen nie auf eine Weide. Selten einmal können sie kurz in den winzigen Laufhof. So verbringen sie 99 % ihres Lebens im Stall. Dabei sind Kühe typische Weidetiere! Die Lage des Stalles im Dorf ist kein Grund, die Tiere nicht zu weiden. Nur Faulheit und Gleichgültigkeit gegenüber den Tieren ist der Grund. Das Beweist ein 80-jähriger Landwirt in der liechtensteinischen Gemeinde Ruggell: Um seinen alten Bauernhof herum sind Wohnquartiere entstanden. Das Weideland hat der 80-jährige Bauer Gebhard Frommel weit draussen, überall verteilt, denn in Ruggell wurde nie eine Arrondierung durchgeführt. Und trotzdem ist der Stall leer, als wir ihn mit seinem Traktor, mit Milchkannen und einer Melkmaschine beladen, vor seinem Hof antreffen. Neugierig fahren wir ihm nach. Es dauert eine gute Weile, bis er weit in der offenen Landschaft in einen Feldweg einbiegt. Weiter vorn weiden ein paar Jungrinder; sie drängen sich bereits an den Zaun, offensichtlich erwarten sie ihn. Tatsächlich hält der alte Bauer an, gibt den Tieren, welche ihre Hälse zu ihm recken, eine Handvoll Brot, und leert dann eine Milchkanne Wasser in den Tränkbehälter. Gemächlich, aber erstaunlich kraftvoll geht der Alte mit den schweren Behältern um. Dann fährt er weiter. Von weitem wird eine Kuhherde sichtbar. Die verstreuten Tiere versammeln sich sogleich und warten bereits ruhig, als der Alte seinen Traktor anhält. Auch hier gibt es zuerst Wasser, dann eine Handvoll Brot. Als wir näher kommen, sind die Tiere bereits mit Stricken am Traktor angebunden.

 ruggell2.jpg (18374 Byte)

Mir fallen die prächtigen, zufriedenen Tiere auf, herrliches Braunvieh mit langen Hörnern. Es durchzuckt mich jedes mal, wenn ein spitzes Horn der eng beieinander stehenden Tiere am Auge der Nachbarin vorbeistreift, die jedoch nur das Auge schliesst und ihren Kopf ganz leicht wegbewegt. Schon als Knabe habe ich mich gewundert, dass nie etwas passiert, wenn sich die Kühe meines Onkels jeweils beim Weidegang unter der Stalltüre drängten. Der vorsichtige, kontrollierte Umgang mit ihren Hörnern ist eben artgemäss. Inzwischen hat der alte Bauer seine Melkmaschine an der Vakuumpumpe seines Traktors angeschlossen und mit dem Melken begonnen. Mich überrascht erneut die friedliche Ruhe dieser schönen Kühe, denen das Leben im Freien den ganzen Sommer hindurch offensichtlich gut tut und die die gleiche Ruhe zeigen, wie ihr Meister. Es ist mir schon oft aufgefallen, dass Kühe die Ruhe oder Unruhe von ihrem Meister übernehmen, so wie der Charakter von Hunden oft eine Kopie ihres Halters ist. 

Für grössere Tierbestände, die Tag und Nacht auf der Weide sind, gibt es fahrbare Melkstände, die jedoch ziemlich teuer sind. Indessen macht der alte Bauer in Ruggell seit 50 Jahren vor, was auch mit wenig Kosten getan werden kann, wenn das Weideland weit vom Hof weg ist. Und da gibt es tatsächlich noch Kantonsveterinäre, die Bewilligungen erteilen, damit aus stolzen, schönen Kühen lebenslängliche Kettenhäftlinge gemacht werden!

Die Art und Weise, wie solche Bauern von den zuständigen Veterinärbeamten in Schutz genommen werden, lässt auf eine hohe Dunkelziffer solcher Fälle schliessen, die für Veterinär- und Tierschutzbeamte offensichtlich nichts Besonderes darstellen. Darum empfehlen wir "Pflanzenmargarine statt Butter":

 kuhkl.gif (7580 Byte)

Dr Erwin Kessler, Präsident Verein gegen Tierfabriken Schweiz (VgT)
Tel 052 378 23 01, Fax 052 378 23 62, Email Email, Postchekkonto 85-4434-5 

vgtlogo.gif (2829 Byte)

 

Nächste News zum Thema

Forum-Beiträge zum Thema


NEWSVERZEICHNIS

HOMEPAGE

(c) Verein gegen Tierfabriken Schweiz
Technische Mängel (nichtfunktionierende Links, Text-Fehler etc) bitte an den Webmaster
URL: http://www.vgt.ch/news/990822.htm