17. August 1999

Zwei getarnte VgT-Aktivisten waren in der "Hölle von Gretzenbach" und sprachen mit dem Teufel, pardon: mit dem Tierfabrikbesitzer Heinrich Tännler.  

Am Samstag, den 14. August, besuchten zwei VgT-Aktivisten unter falschem Namen die Hölle von Gretzenbach. Sie wollten feststellen, ob die Mutterschweine wirklich täglich von sieben bis halb zehn Uhr Auslauf erhalten, wie der Betriebsleiter in Tele M1 behauptet hat. Um es vorwegzunehmen: alles eine grosse Lüge! Die Tiere können sich nur gerade 1 Minute lang bewegen - sicher kein Auslauf im Sinne der Tierschutzverordnung!  

Wir haben uns deshalb beim Solothurner Regierungsrat über den Kantonstierarzt, der diese Zustände deckt, beschwert: 

 

17. August 1999
An den Regierungsrat des Kantons Solothurn
4500 Solothurn

Die Hölle von Gretzenbach - von Kantonstierarzt Wäffler gedeckt 

Sehr geehrte Frau Regierungsrätin,
sehr geehrte Herren Regierungsräte, 

das Elend mit Kantonstierarzt Wäffler und dem Nichtvollzug des Tierschutzgesetzes dauert nun schon seit Jahren, so dass es angebracht scheint, dass sich einmal der Gesamtregierungsrat damit befasst. Ein jahrelang andauernder rechtswidriger und demokratiefeindlicher Zustand kann nicht einfach Departementsangelegenheit bleiben. 

Der neueste Fall: 

In der Schweinefabrik des Heinrich Tännler in Gretzenbach werden die Mutterschweine nicht nur sehr tierquälerisch, sondern auch krass gesetzwidrig gehalten. Kantonstierarzt Wäffler duldet und deckt diese Situation wissentlich seit Jahren! Die Mutterschweine sind in Kastenstände eingesperrt (nur gerade Körpergrosse Stahlrohrkäfige) und mit Brustgurten am Boden angekettet (siehe die Bilder im Internet unter www.vgt.ch/vn/9904/gretzenbach.htm und in den "VgT-Nachrichten", die im ganzen Kanton Solothurn verteilt wurden) . Gemäss Tierschutzverordnung müssten die Tiere täglich Auslauf und Beschäftigungsmöglichkeit über längere Zeit erhalten. Im Betrieb Tännler erhalten die Mutterschweine (Galtschweine) weder den gesetzlich vorgeschriebenen Auslauf noch die gesetzlich vorgeschriebene Beschäftigungsmöglichkeit. Was untauglich als "Auslauf" deklariert wird, ist folgendes: Zur Fütterung am Morgen werden die Muttertiere durch einen Laufgang zum Fressplatz vor dem Stall getrieben, wo sie bis zur Rückkehr in den Stall wieder in Kastenstände eingesperrt werden! Sie können sich also nur gerade rund eine Minute bewegen, und das auch nicht frei, denn sie müssen in dieser kurzen Zeit durch den Laufkorridor rennen! Die gesetzlich vorgeschriebene Beschäftigung zwischen den Fütterungszeiten fehlt vollständig. Dies ist besonders schlimm, weil diese intelligenten Tiere angegurtet in den Kastenständen zur völligen Bewegungslosigkeit gezwungen werden und deshalb unter extremer Langeweile leiden. 

Die Tierschutzverordnung schreibt die Dauer des Auslaufes nicht vor. Diese ist deshalb - gestützt auf Artikel 2 des Tierschutzgesetzes und Artikel 1 der Tierschutzverordnung - entsprechend den Bedürfnissen der Tiere zu bemessen. Die arteigenen Bedürfnisse des Hausschweines sind wissenschaftlich gut erforscht und es ist bekannt, dass sie das angeborene Bedürfnis haben, sich täglich mehrere Stunden zu bewegen und zu beschäftigen. Der Zustand in der "Hölle von Gretzenbach" ist deshalb absolut gesetzwidrig - und dies seit Jahren, von Kantonstierarzt Wäffler geduldet und sogar aktiv gedeckt mit der Behauptung, die Zustände seien gesetzeskonform. Dieses einmal mehr pflichtwidrige Verhalten erfüllt nach unserer Ansicht den Straftatbestand des Amtsmissbrauchs. 

Der bekannte Theologe Eugen Drewermann schrieb in ähnlichem Zusammenhang sinngemäss: "Wie bestochen müssen Fachleute sein, die solchen tierquälerischen Massentierhaltungen bescheinigen, in Ordnung zu sein." 

Vor über zwanzig Jahren hat das Schweizervolk mit überwältigendem Mehr dem eidgenössischen Tierschutzgesetz zugestimmt, welches in Artikel 2 verlangt, dass Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend zu halten sind. Die Mutterschweine, die in der Hölle von Gretzenbach in Kastenständen fixiert dahinvegetieren merken bis heute absolut rein gar nichts, dass es ein Tierschutzgesetz gibt. Solche Zustände im Kanton Solothurn - schlimmere gibt es auch im Ausland nicht - sind nicht nur tierverachtend, sondern auch demokratieverachtend, da ein deutlicher, mit überwältigendem Mehr zustande gekommener Entscheid des Souveräns mit den Füssen getreten wird, und dies seit Jahren und durch einen mit Steuergeldern hoch bezahlten Kantonstierarzt. 

Kantonstierarzt Wäffler hat mich wegen meiner Kritik am Tierschutznichtvollzug öffentlich als Psychopath beschimpft und ist deshalb im September 1994 vom Richteramt Solothurn zu einer Busse von 500 Franken und einer Genugtuung und Verfahrensentschädigung von 2000 Franken nebst den Gerichtskosten verurteilt worden. Das zeigt auch deutlich seine Einstellung zum Tierschutz und auf welcher Seite er steht. Es ist ein Skandal, wenn die Durchsetzung des Tierschutzes weiterhin diesem offensichtlich unfähigen Beamten übertragen bleibt.  

Mit freundlichen Grüssen

Dr Erwin Kessler, Präsident Verein gegen Tierfabriken Schweiz (VgT) 


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