15. Juni 1999

Geflügelfabrik Höri - ein Erlebnisbericht

von Marlène Gamper, Vizepräsidentin VgT


Am Samstagnachmittag war ich in Bülach und verteilte vor dem Spitaleingang die VN99-3 mit dem Bericht über die Geflügelfabrik Höri, welche auch Eier an das Spital Bülach liefert. Anschliessend ging ich nach Bülach und verteile an interessierte Passanten, besonders an junge Leute, Mütter und Familien. Habe jeden der eine VN nahm, darauf hingewiesen, dass im Spital Bülach Eier aus DIESER Tierfabrik gekauft werden. Das hat doch manch einem ein Jo wa, das gits doch nid, so e Frächheit, spinne die.. entlockt.

Auf meinem Gang durch Bülach kam ich zum Volg-Laden, ging hinein und wollte eine VN abgeben. Habe gesagt es hätte hier einen interessanten Bericht drin für den Fall dass sie die Eier vom Geflügelhof Höri beziehen oder zu beziehen gedenken. Sofort wurde ich angefahren, man kenne dieses Dreckheftli, "wir wissen Bescheid, vor allem über euch". Ich fragte anständig ob sie die Eier vom Geflügelhof beziehen. "Ja das tun wir, das geht aber niemand was an, nein wir wollen nichts mehr hören, gehen sie...". Das Heft warf sie mir zu. Ich sagte ganz ruhig: "Schade dass sie so stur sind und nicht mal darüber nachdenken, dass es weder konsumentenfreundlich noch tierfreundlich ist, Eier von einer so miesen Tierfabrik zu beziehen. Ja da bleibt mir also nichts andere übrig als die Konsumenten und ihre Kundschaft hier direkt zu informieren." Habe mich vor das Geschäft gestellt und alle Kunden die hinein- und hinausgingen angesprochen. Viele haben die VN genommen, sich bedankt, interessiert zugehört, gestaunt, dass der Spital Bülach und der Volg HIER Eier von diesem Betrieb beziehen. Am Fenster im Volg-Laden standen die Verkäuferinnen und Kunden und gafften wild gestikulierend. Bin etwas weiter weg gegangen, damit ich die nicht ansehen musste. Sie kamen ab und zu raus und sahen ob ich noch da sei.

Ich stand auf dem Trottoir und merkte, dass sich mir jemand näherte der es nicht gut meint. Der Typ war irgendwie elektrisch geladen. Er kam wutschnaubend auf mich zu blieb vor mir stehen. Ich beachtete ihn nicht, sprach ihn nicht an und überlegte, woher ich ihn kenne. Er ging zwei Schritte weiter, kehrte um, blieb wieder vor mir stehen.   "Was verteiled Dir da?" "Wichtige Tierschutz- und Konsumentenschutzinformationen, ein Heft des Vereins gegen Tierfabriken, darf ich Ihnen auch eines zum lesen mitgeben?" Er riss es mir mit hochrotem Kopf aus der Hand und zerriss es drei mal. Beim dritten mal reissen hatte er etliche Mühe und ich musste lachen. Er schmiss die Blätter auf den Boden. Ich sagte, die Strassenkehrer hätten aber keine Freude an ihm. Da hob er die Blätter wieder auf. Inzwischen war er bleich geworden und hatte Schweissperlen auf der Stirn und ich wusste wer er war..... Zaugg, Pächter der Geflügelfabrik Höri! "Was glaubt ihr eigentlich, ihr erbärmlichen Kreaturen. So eine Frechheit was ihr da macht. Das ist verboten, sofort verschwindet ihr. Hier die Kundschaft belästigen. Wer sind sie eigentlich, wie ist ihr Name?" "Sie müssen der berühmt-berüchtigte Herr Zaugg sein", sagte ich. "So sehr kann sich nur der Herr Zaugg aufregen, alle anderen Leute reagieren ganz anders. Nicht wahr, sie sind doch Herr Zaugg?" Hierauf Zaugg: "Wer sind sie, habe ich gefragt, sofort sagen sie mir ihren Namen." Gelassen antwortete ich: "So weit sind wir noch nicht, Herr Zaugg, dass ich ihnen meinen Namen sagen muss. Ich weise mich nur bei der Polizei aus. Ansonsten bin ich einfach ein Schweizer Bürger, der auf öffentlichem Grund seine Rechte ausübt und für die armen Hühnern in Zauggs Tierfabrik hier steht." "Ihren Namen will ich wissen und dann verschwinden sie unverzüglich oder ich mache ihnen Beine." "Haben sie ihre Tierfabrik verkauft und sind nun bei der Polizei? Dann zeigen sie mir ihren Ausweis Herr Polizist und sie dürfen alle meine Papiere sehen. Wenn sie aber lediglich Herr Zaugg sind, dann möchte ich sie bitten, mich in Ruhe meine Arbeit machen zu lassen und nach Hause zu fahren und die Hühner an die frische Luft zu lassen." "Sie dumme, freche Person. Jetzt gehen wir zusammen zur Polizei, sofort kommen sie mit." "Sie haben mir gar nichts zu befehlen, sie können ja die Polizei holen, wenn sie wollen, ich bleibe noch eine ganze Weile hier, ich habe noch mehr als 100 Journale und den ganzen Nachmittag Zeit. Keine Angst ich gehe noch nicht." "Ja ich weiss, dass sie schon lange hier sind, schon den ganzen Nachmittag und sogar über Mittag. Es ist einfach gemein und niederträchtig. Euch werde ich die Knöpfe noch eintun, das garantiere ich." Er stand so nahe bei mir, dass ich dachte, er würde tätlich werden. Während dem ganzen Gespräch hat er mich jedoch nie berührt. Ich habe sehr laut gesprochen und immer wieder seinen Namen genannt, da ich wollte, dass wenn er mich übers Mäuerchen wirft, jemand vielleicht Zeuge ist. Es gab einige Leute, die von der anderen Strassenseite aus zusahen.

Es gingen Leute vorbei, die habe ich angesprochen, eine VN gegeben, meine "Geschichte" erzählt und gesagt dass dies der Herr Zaugg sei, dem der Geflügelhof gehört. Zaugg sagte kein Wort und stand da wie ein Depp. Die Leute schauten ihn mit grossen Augen an. Er kam wiederum nahe an mich heran und sagte: "Zum letzten mal sage ich dir, verschwinde oder komm mit zur Polizei." "Nein, ich bleibe hier. Bitte lassen sie mich meine Arbeit machen, sie wissen so gut wie ich, dass ich hier auf öffentlichem Grund und Boden stehe und sie mir nichts zu sagen haben." "So, nun hole ich die Polizei, bei mir wird sie ja schon kommen, die Frauen haben schon telefoniert, aber sie hatten wohl noch keine Zeit, aber jetzt gehe ich sie holen." "Ja ist gut, wenn sie kommen bis ich die 100 Journale verteilt habe, ist es gut, danach gehe ich neue holen und bin dann eben nicht da..."  Zaugg: "Ich habe genug Zeugen, ich werde eine Anzeige machen und überhaupt will ich noch etwas sagen. Euer Geschmierblatt hat mir sehr viele neue Kunden gebracht. Viele Telefone habe ich gehabt und auch Besuch, und alle die kamen und fragten, sind neue Kunden, ich könnte noch 1000 Hennen mehr zutun. Deshalb ist es mir überhaupt egal, was sie tun und wo sie was tun, hier und im Nest, und solche Griten wie sie, die finde ich zum kotzen. Genauso wie Huren." "So so, sie haben neue Kunden gefunden wegen dem Verein gegen Tierfabriken. Dann schreiben sie doch ein Dankesschreiben an Herr Dr Kessler." Als der Name Kessler fiel, da wurde er wieder violett. Inzwischen hatte er grosse nasse Stellen am minthfarbigen T-Shirt. Zaugg: "Dem Kessler geht es gar nicht um die Tiere, er ist mediengeil und spinnt. Und ich habe treue gute Kunden gefunden und habe ein gutes Gewissen." "Nun dann habe ich eine gute Idee, Herr Zaugg. Stellen sie sich neben mich und helfen sie mir mit die VN hier zu verteilen. Wir können das zusammen tun. Ich infomiere die Leute über ihr Tier-KZ und sie machen Werbung und bekommen neue Kunden." Zaugg sah mich an als ob er oder ich vom Mond gefallen wären. Er liess die Arme fallen und rang nach Worten. Stand noch 30 Sekunden da und sah mir zu wie ich einer jungen Mutter eine VN anpries und über den Geflügelhof, den Spital Bülach, den Volg, redete. Dann ging er stampfend zurück zum Volg-Laden. Ich machte meine Arbeit weiter, hörte und sah nichts mehr von Verkäuferinnen und Zaugg. Irgendwann kam er heraus und ging die Strasse runter, ohne mich eines Blickes zu würdigen.

Drei Frauen, die im Volg eingekauft hatten, kamen zu mir und erzählten, sie hätten drinnen über die Eier diskutiert. Im Volg sage man, die Hühner hätten alle Auslauf. Ich hatte hier natürlich gute Argumente: "Das sagen diese Leute vom Volg, das sagt manchmal auch der Tierhalter. Er ist jedoch vorsichtiger, er sagt, es können einige raus. Sie können das übrigens selber sehr gut nachprüfen. Der Geflügelhof ist sehr nahe, gehen sie vorbei, sie können jeden Tag gehen und werden die Hühner nicht finden. Ein paar vielleicht, sehr schöne, das sind Werbeträger. Die Legehennen sind in den Hallen. Wissen sie überhaupt wieviele dort leben, was denken sie?" Die Frauen schätzten zwischen drei bis fünf hundert. Ich sagte: "Es sind sechs tausend. Diese müssten sie sehen, solch eine Masse von Tieren kann man nicht übersehen. Die Wiese um den Geflügelhof wäre wohl auch bald nicht mehr grün. Warum hat es Gras dort drum herum und grasende Schafe? Wo sind die 6000 Hühner, die 6000 klopfenden Herzen und 12000 traurigen Äuglein?"


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