12. Oktober 1998

Ein Kettenhäftling im Kloster Heiligkreuz, Cham

von Erwin Kessler

Aufnahme des Kloster-Munis Heiligkreuz

Im Landwirtschaftsbetrieb des Klosters Heiligkreuz wird der Muni wie ein unschuldig zu einer lebenslänglichen Kettenhaft Verurteilter gehalten. Das kräftige Tier, das von Natur aus ein Weidetier ist, verbringt den grössten Teil seines Lebens an einer kurzen Kette zur Bewegungslosigkeit verurteilt. Das Kloster hat den Vorschlag des VgT, eine Laufbucht einzurichten, was ganz einfach und mit minimalen Kosten möglich wäre, abgelehnt. Das Kloster glaubt, seiner ethischen Verpflichtung gegenüber der Schöpfung Genüge zu tun, wenn es sich an die völlig ungenügenden gesetzlichen Minimalvorschriften hält und vom unfähigen Zuger Kantonstierarzt Othmar Kamer einen Persilschein erhält, worin alles als gesetzeskonform beurteilt wird.

Was Beurteilungen durch diesen Kantonstierarzt Wert sind, hat sich in einem Gerichtsverfahren gezeigt, das rechtsgültig gegen ihn entschieden wurde, als er mich wegen angeblicher Ehrverletzung einklagte: Der VgT hatte eine Zuger Schweinefabrik angezeigt, in welcher die Beschäftigungsvorschrift gemäss Artikel 20 krass und offensichtlich missachtet wurde. Diese Vorschrift lautet:

"Schweine müssen sich über längere Zeit mit Stroh, Rauhfutter oder anderen geeigneten Gegenständen beschäftigen können." Es ist unter Fachleuten unbestritten, dass täglich frisches Stroh eine einfache und optimale Beschäftigung für Schweine darstellt. Davon hatte Kamer - dem der Tierschutzvollzug im Kanton Zug untersteht! - keine Ahnung. Gegenüber den Strafbehörden behauptete er, die Wissenschaft habe noch nicht herausgefunden, wie Schweine artgerecht beschäftigt werden könnten. Aufgrund dieser skandalösen Stellungnahme wurde das Strafverfahren gegen den fehlbaren Schweinemäster, der systematisch und offen eine für die Schweinehaltung fundamentale Vorschrift missachtete, eingestellt. Auf meine berechtigte Kritik reagierte Kamer mit einer Ehrverletzungsklage, verlor jedoch, gestützt auf ein Gerichtsgutachten, auf der ganzen Linie und müsste sämtliche Verfahrenskosten übernehmen. (Näheres dazu im Buch von Erwin Kessler "Tierfabriken in der Schweiz - Fakten und Hintergründe eines Dramas", Seite 127ff, Orell Füssli Verlag, erhältlich beim VgT-Buchversand; zum Fall Kamer und über die Schweine-KZs im Kanton ZG siehe unter http://www.vgt.ch/vn/vn95-3.htm#zug)

Das Kloster Heiligkreuz verhält sich mit seiner Uneinsichtigkeit so, wie vor ein paar Jahren das Kloster Fahr, das den Muni ebenfalls an der Kette hielt, bis das vom VgT kritisiert wurde. Das Kloster Fahr behauptete, es sei zu gefährlich, den Muni frei laufen zu lassen. Der VgT forderte indessen lediglich eine Laufbucht, in welcher sich der Muni wenigstens drehen und zwei oder drei Schritte gehen konnte. Erst unter dem Druck der öffentlichen Kritik war das dann plötzlich ganz einfach realisierbar. Aber nicht nur eine Laufbucht war möglich, auch das freie Laufenlassen des Munis im Hof des Landwirtschaftsbetrieb, lediglich eingezäunt mit einem simplen Elektrodraht. Tierfreundliche Landwirte wissen schon lange, dass Stiere erst dann aggressiv und gefährlich werden, wenn sie an der Kette gehalten werden, ähnlich wie Kettenhunde. Viele Landwirte weiden ihren Muni regelmässig mit den Kühen, und in dieser artgerechten Haltung sind sie ganz friedliche Tiere.

Wir wünschen dem Kloster Heiligkreuz mehr Mitleid mit leidenden Tiere. Auch Tiere sind Geschöpfe Gottes.

Anmerkung:
Dass dieser klösterliche Landwirtschaftsbetrieb ein IP-Betrieb ist, bestätigt einmal mehr, was den Konsumenten nicht genug immer wieder gesagt werden kann: IP bringt den Tieren nichts, und der Umwelt fast nichts.-


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