18. Februar 1998
Wende in der Auseinandersetzung um die Tierhaltung des Klosters Fahr


Am Dienstag, den 17.2.98, fand im Kloster Fahr ein gerichtlicher Augenschein statt. Dabei wurden gegenüber früher wesentliche Verbesserungen in der klösterlichen Tierhaltung festgestellt:

  1. Der Muni erhält regelmässig Freilauf im Laufhof (früher gesetzwidrig nicht, wie seitens des Klosters eingestanden).
  2. Die Kühe erhalten auch im Winter Auslauf (früher nicht, wie durch Aussagen des Betriebspersonals vor Zeugen belegt)
  3. Die frischgeborenen Kälber werden "nur" noch in den ersten 14 Tagen in Einzelboxen in sozialer Isolation gehalten (früher länger, wie durch Fotos und Zeugen belegt).
  4. Im Schweinestall hat es Einstreu (früher nicht, wie durch Fotos und Zeugen belegt).
  5. Alle Kastenstände im Schweinestall waren offen, so dass sich die Mutterschweine frei bewegen konnten, auch ein Muttertier mit erst zwei Tage alten Ferkeln, das bei offenem Kastenstand abferkeln konnte.(Früher waren die Kastenstände bis 14 Tage nach der Geburt geschlossen, wie vom Kloster zugestanden - eine gesetzwidrige Tierquälerei.)

Nicht tiergerecht und nach Ansicht des VgT eines Klosters unwürdig sind weiterhin folgende Missstände:

  1. Die frischgeborenen Kälber werden nach der sofortigen Trennung von der Mutter zwei Wochen lang sozial isoliert in Einzelboxen gehalten - nach Auffassung des VgT eine Tierquälerei
  2. Der elektrische Kuhtrainer ist weiterhin in Betrieb und stellt nach übereinstimmender Auffassung praktisch sämtlicher - auch der konservativen - Tierschutzorganisationen wie auch der Nutzierverhaltensforscher und Tierärzte eine Tierquälerei dar, welche starke Verhaltensstörungen und Fruchtbarkeitsstörungen zur Folge hat
  3. Bei der Gewährung von Auslauf für das Rindvieh orientiert sich das Kloster am gesetzlichen Minimum (90 Tage pro Jahr), nicht an den Bedürfnissen der Tiere nach täglichem Auslauf, besonders wenn sie im Stall unter einem elektrischen Kuhtrainer stehen, welcher das Körperpflegeverhalten weitgehend unterbindet
  4. Die Kastenstände im Schweinestall sind immernoch in Gebrauch und verhindern auch in geöffnetem Zustand ein artgerechtes Verhalten der Mutterschweine (Platzmangel, nicht artgerechte Strukturierung der Abferkelbucht). Darum werden überdurchschnittlich viele Ferkel erdrückt (am Augenschein erwähnter neuester Fall: 2 von 13 frischgeborenen Ferkel vom verhaltensgestörten Muttertier erdrückt). Für eine tiergerechte Schweinehaltung müssten die Kastenstände demontiert und Kot- und Liegebereich durch eine Trennwand getrennt werden (sogenannte "Schmid-Bucht")

Angesichts der vorgenommenen Verbesserungen hat der VgT in einer Gesamtwürdigung der Situation heute entschieden, trotz den immer noch bedauernswerten Umständen von weiteren Kampagnen gegen die Klöster Fahr und Einsiedeln abzusehen, vorausgesetzt allerdings, die Verhältnisse bleiben mindestens so, wie bei diesem offiziellen Augenschein angetroffen (vom Kloster als heute normal bezeichnet). Die heutige Situation im Kloster Fahr beurteilt der VgT als zu schlecht, um zufrieden zu sein, aber zu wenig schlecht, um weitere Kampagnen zu rechtfertigen.

Der VgT wird hingegen im Rahmen der Berichterstattung über die noch hängigen diversen Gerichtsverfahren zwischen dem Kloster Fahr und dem VgT jeweils auf seine Kritik an der klösterlichen Tierhaltung zurückkommen, jedoch ansonsten keine öffentlichen Kampagnen mehr führen und sich anderen, dringenderen Fällen zuwenden.


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