10. Januar1998

Die Masche der Schwyzer Regierung beim Nichtvollzug des Tierschutzgesetzes: Eine fachliche Niete als Kantonstierarzt

Lesen Sie weiter: [Zum Inserateboykottaufruf des Schwyzer Bauernvereinigung gegen die Mythen-Post] vom 6.Januar'98 und vom 4.Januar : [An Dr Josef Risi, Kantonstierarzt, 6415 Arth, Fax 041 855 12 81...] in der VN 97-01 [Grauenhafte Zustände in Schwyzer Schweinefabriken], 30.Oktober'98 [Affäre um die Tierhaltung des Klosters Fahr bzw Einsiedeln] ZENSURIERT: [Dem VgT Schweiz gerichtlich verbotene Informationen über die üble Tierhaltung eines Klosters]

Donnerstag, 13.45 Uhr, vor der Schweinefabrik "Waldhof" (könnte auch "Birkenau" heissen) auf dem Steinerberg. Ein Journalist des Regionalfernsehens TELE TELL, interviewt VgT-Präsident Dr Erwin Kessler, mit der Schweinefabrik im Hintergrund. Der Eigentümer der Schweinefabrik, Alphons Vogel, hat sich geweigert, ebenfalls zu einem Interview herzukommen und Aufnahmen der Tiere zu erlauben. Er brauche drei Tage Vorbereitungszeit. Dieses Argument entlarvt mit einem Satz den ganzen Schwyzer Schweineskandal. Offenbar sind sich die Tierhalter und gewerbsmässigen Tierquäler gewohnt, drei Tage Zeit zu erhalten, um ihre Ställe in Ordnung zu bringen, bevor ein Besuch stattfindet.

Dass in diesem Kanton die amtlichen Kontrollen vorangemeldet stattfinden, muss ohnehin angenommen werden. Die Regierung und der unfähige Kantonstierarzt tun alles, um zugunsten der Agromafia den Vollzug des Tierschutzgesetzes zu verhindern und in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, die Tiere würden gesetzeskonform gehalten. In der Nachrichtensendung von TELE TELL am Donnerstagabend behauptete Kantonstierarzt Dr Josef Risi einmal mehr, die vom VgT und von der Mythen-Post kritisierten Missstände in den Schwyzer Schweinefabriken seien gesetzeskonform, er könne nicht mehr tun, als die Vorschriften durchsetzen. Genau das aber tut er nicht.

Kantonstierarzt Dr Josef Risis ist nicht nur Kantonstierarzt. Er hat daneben auch noch eine eigene Tierarztpraxis. Risi kann deshalb sein Amt als Kantonstierarzt gar nicht unabhängig ausüben, sonst kommt er in Konflikt mit seinen Kunden. Er steht aus wirtschaftlichen Gründen automatisch auf Seiten der Tierhalter und Tierquäler. Es ist immer das gleiche Lied mit den Tierärzten überhaupt: sie sehen die Missstände, können aber keine Anzeigen machen, da sie sonst ihre Kunden verlieren.

Mit der Wahl von Risi zum Kantonstierarzt hat die Schwyzer Regierung mit einem raffinierten Schachzug für einen blossen Alibi-Tierschutzvollzug gesorgt. Das zeigt sich jetzt mit aller Deutlichkeit, da Risi die vom VgT und von der Mythen-Post aufgedeckten, im ganzen Kanon herrschenden Missstände in den Schweinefabriken als weitgehend gesetzeskonform bezeichnete. Seine Rechtfertigung, er könne nicht mehr durchsetzen, als die Tierschutzvorschriften verlangen, ist eine reine Schutzbehauptung. Oder er ist schlicht unfähig, die Tierschutzvorschriften sachgemäss zu interpretieren und anzuwenden.

Artikel 2 des Tierschutzgesetzes verlangt:

"Tiere sind so zu behandeln, dass ihren Bedürfnissen in bestmöglicher Weise Rechnung getragen wird. Wer mit Tieren umgeht, hat, soweit es der Verwendungszweck zulässt, für deren Wohlbefinden zu sorgen."

Und Artikel 3 lautet:

"Die für ein Tier notwendige Bewegungsfreiheit darf nicht dauernd oder unnötig eingeschränkt werden, wenn damit für das Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind."

Die natürlichen, angeborenen Bedürfnisse der Schweine sind heute wissenschaftlich gut erforscht. Zu den Grundbedüfnissen zählen Bewegung sowie Beschäftigungs- und Spielmöglichkeiten. Dazu gehört, dass sich die Tiere in Gruppen bewegen können und über einen sauberen Liegebereich verfügen, da die Schweine freiwillig nicht in ihren eigenen Kot liegen. Die Ausführungsvorschriften des Bundesrates in der Tierschutzverordnung verlangen deshalb Beschäftigungsmöglichkeiten und bei Kastenstandhaltung zumindest täglichen Auslauf, ferner einen trockenen und gleitsicheren Boden. Ferner ist in den Abferkelbuchten Stroheinstreu vorgeschrieben. Für eine sachgemässe praktische Umsetzung dieser gesetzlichen Vorgaben gibt es heute eine reichhaltige wissenschaftlich-technische Literatur, welche Dr Josef Risi nicht zu kennen scheint. Wie sollte er neben seinem Doppelamt als Kantonstierarzt mit eigener Tierarztpraxis auch noch dazu kommen, Literatur zu studieren oder sich an Fachtagungen weiterzubilden. Oder ist das politisch gar nicht erwünscht?

In vielen Schwyzer Schweinefabriken - das zeigen die in der Mythen-Post und in den VgT-Nachrichten im ganzen Kanton veröffentlichten Bilder deutlich - werden klare Vorschriften verletzt: Abferkelbuchten ohne einen einzigen Strohhalm. Verkotete Tiere, glitschig-kotverschmierte Stallböden. Keine Beschäftigungsmöglichkeit. Keine Bewegungsmöglichkeit. In Ställen, die mit Kastenständen vollgestopft sind, so dass für den täglichen Auslauf gar kein Platz vorhanden ist, ist die Vorschriftswidrigkeit eindeutig. Insgesamt ist es an der Tagesordnung, dass die Tiere ihre grundlegendsten angeborenen Bedürfnisse nicht ausleben können, obwohl dies stallbautechnisch ohne weiteres ermöglicht werden könnte. Die Schweinehaltung im Kanton Schwyz ist aber - mit Duldung durch Regierung und Kantonstierarzt - extrem einseitig nur auf maximalen Profit und minimalen Arbeitsaufwand ausgerichtet. Die Tierhaltung unterscheidet sich nicht von derjenigen in Ländern ohne Tierschutzgesetz. Insgesamt katastrophale, KZ-ähnliche Verhältnisse für die ausgebeuteten Tiere.

Wiedereinmal bleibt uns nichts anderes übrig, als die Konsumenten zur vegetarischen Ernährung aufzurufen. Beim heutigen reichhaltigen Angebot an köstlichen vegetarischen Gerichten ein kleiner Genussverzicht, der zudem durch den Gewinn an körperlicher und seelischer Gesundheit mehr als ausgeglichen wird.


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