5. September 2001

Biker tödlich verunfallt: Haftung von Bauern für Weidedrähte

Der Bauernverband regt sich zur Zeit über ein Urteil des Thurgauer Obergerichtes auf, weil ein Bauer wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht verurteilt wurde. Ein Biker fuhr in ein über einen Weg gespanntes Weidezaunband ohne Wimpel und wurde tödlich verletzt. Das Band wurde nicht vom verurteilten Bauer gespannt.

Der VgT unterstützt grundsätzlich das Weiden von Tieren und ist gegen ungerechtfertigte Auflagen. So müssen in ländlichen Gebieten auf Nebenstrassen Autofahrer Wartezeiten wegen Kuhherden selbstverständlich in Kauf nehmen.

Bei diesem Urteil wegen einem Weidezaunband liegt der entscheidende Umstand nach meiner Auffassung im Fehlen eines Warnwimpels. Ein solcher - oder ein gelbes Band - sollte bei allen Drähten und Bändern über Wege zur Selbstverständlichkeit werden, denn diese führen tatsächlich oft zu kritischen Situationen. Es muss durchaus damit gerechnet werden, dass ein bereitliegender Absperrdraht von Spaziergängern gespannt wird, sei es aus gut gemeintem "Ordnungssinn" oder gedankenlos. Ein Warnwimpel oder -Band ist sicher nicht zuviel verlangt. Die Aufregung des Bauernverbandes scheint mir wieder einmal Ausdruck der jahrzehntelangen Verwöhnung mit Sonderrechten gegenüber anderen Branchen, zB der Baubranche, von der auch ganz streng und selbstverständlich die Signalisation potentiell gefährlicher Hindernisse verlangt wird. Wenn der Bauernverband nun jede herumliegende Schnur als Haftpflichtrisiko beklagt und befürchtet, die Bauern müssten nun ihre Höfe "einmauern", dann kann diese Bauernpolitik wieder einmal nicht ernst genommen werden. Hindernisse auf einem öffentlich begehbaren Weg sind nun einmal nicht Privatsache.

Erwin Kessler, Präsident Verein gegen Tierfabriken


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