24. August 2001 / VN2002-3

Merkwürdiges in der Thurgauer Tierschutzpolitik:

"Gutes" Tierschutzgesetz?

Dass man bzw frau fröhlich politisieren kann, ohne etwas von der Sache zu verstehen, hat im Thurgau die grüne Kantonsrätin Maya Iseli beispielhaft gezeigt: Sie verlangte die Absetzung des kantonalen Tierschutzbeauftragten und begründete dies laut Thurgauer Zeitung Zeitung so: "Was nützen uns die guten Gesetze, wenn es offensichtlich am Vollzug mangelt?" Gute Gesetze? Angebundene Kühe müssen nur an 90 von 365 Tagen kurz eine halbe Stunde aus dem Stall gelassen werden, dann sind die "guten Gesetze" schon erfüllt. Wie stellt sich Maya Iseli vor, dass ein solch kurzer, seltener Auslauf überhaupt noch kontrolliert werden soll? In der Schweinemast erlauben die "guten Gesetze" KZ-artige Verhältnisse: zwei Schweine pro Quadratmeter. Das ist ein bodenbedeckendes Gedränge, lebenslänglich. Die sensiblen Tier müssen ständig am gleichen Platz koten, harnen, fressen und schlafen, auf dem einstreulosen, harten und dreckigen Zementboden. Mutterschweine dürfen wochenlang in nur gerade körpergrosse Käfige (Kastenstände) gesperrt werden, wo sie sich nicht umdrehen können; sie sind gezwungen, am selben Ort zu harnen und zu koten, zu schlafen und zu fressen und die ganze Zeit ohne Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeit in extremer Langeweile zu verbringen bis sie sich, neurotisch geworden, mit stereotypen Kopfbewegungen etwas Erleichterung verschaffen. Mastmunis dürfen lebenslänglich ohne Auslauf dicht gedrängt auf Vollspaltenböden gehalten werden. Masthühner und Truten dürfen so qualgezüchtet werden, dass sie nicht mehr richtig gehen und nicht einmal mehr artgemäss auf einer Sitzstange sitzen können. Legehennen dürfen derart qualgezüchtet und mit Kraftfutter gedoppt werden, dass ihnen die Federn ausfallen. Zum Schlachten dürfen sie kopfunter mit den Füssen an ein Förderband gehängt werden, was sie in Todesangst versetzt. So werden sie bis zur völligen Erschöpfung hängen gelassen, damit sie sich nicht mehr wehren, wenn sie endlich geschlachtet werden. Ganz zu schweigen davon, dass unseren Nutztieren das gesamte Sexualleben vorenthalten werden darf, als sei das nur für Menschen wichtig: Munis und Eber dürfen gerade noch eine Attrappe bespringen, wo sie dann von Menschenhand abgesamt werden, und die Muttertiere werden künstlich befruchtet. Wo sind da die angeblich guten gesetzlichen Tierschutzvorschriften, welche der Thurgauer Tierschutzbeauftragte angeblich nicht durchsetzt? Seit sich die Grünen kaum mehr ernsthaft für Natur, Umwelt und Tierschutz einsetzen und statt dessen nur noch schleunigst dem tier- und umweltfeindlichen EU-Monster beitreten wollen, fehlt es in diesen Kreisen offenbar an den elementarsten Kenntnissen über Tierschutz. Schade. Der Thurgauer Tierschutzbeauftragte kann jedenfalls nichts dafür.

> Frühere Stellungnahme des VgT zur Forderung nach Absetzung des Thurgauer Tierschutzbeauftragten: www.vgt.ch/news/010818.htm


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