3. April 2001/15. Mai 2001

Fischkasten- und Messerstecher-Prozess
gegen
Fischquäler-Wirt Fred Furrer
und Messerstecher-Nationalrat Bortoluzzi

> Vorgeschichte

> Urteil des Bezirksgerichtes

Am Tag nach dem Vorfall schrieb der Sonntags-Blick folgenden Mist zusammen: "Amok-Tierschützer... wild hupend fahren sie Furrer über den Haufen.... Kessler und seine Begleiterin fahren erneut in die Menge..."

In Tat und Wahrheit wurde niemand über den Haufen gefahren. Als Geschädigter und Kläger gegen Wirt und Metzger Fred Furrer und Nationalrat Bortoluzzi und Konsorten hielt VgT-Präsident Erwin Kessler, der nicht angeklagt ist, folgendes Plädoyer:

Mehrere Wochen vor diesem Zwischenfall beim Restaurant Central versuchte ein in der Region wohnendes VgT-Mitglied mit dem Wirt, Fred Furrer, über den Zustand seines Fischbehälters zu sprechen. Sie wollte ihn darauf aufmerksam machen, dass der Behälter mit seinen Schlammschichten und gelegentlich toten Fischen darin in einem unhaltbaren Zustand war. Sie wollte ihn auch darauf aufmerksam machen, dass ein so kleiner Glaskasten, in dem sich die Fische kaum bewegen und vorallem nicht irgendwo verstecken können, eine Tierquälerei darstellt. Es kam aber nicht zu diesem Gespräch. Kaum erkannte Furrer, dass da eine Tierschützerin mit ihm über den Fischbehälter sprechen wollte, wies er sie unfreundlich weg.

Dass damit diese tierschützerische Problematik nicht aus der Welt geschafft war, ist jedem vernünftigen Menschen klar. Meine Damen und Herren, was hätten Sie in dieser Situation weiter getan, wenn Ihnen Tierleid nicht einfach egal ist? Eine schwierige Frage, nicht wahr? Das fanden wir auch - und kamen zum Schluss, dass die einzige wirksame Möglichkeit war, an die Öffentlichkeit, insbesondere an die Gäste des Restaurants Central zu appellieren. Deshalb kam es dann zum Zwischenfall, der hier verhandelt wird: Wirt und Metzger Fred Furrer überfiel mit einer wilden Horde aus Angestellten und Stammgästen mein Fahrzeug. Furrer stemmte sich vorn gegen das gerade wegfahrende Auto, während die anderen versuchten, die Autotüren aufzureissen. Als dies nicht gelang, versuchten sie die Fenster einzuschlagen. Als das auch nicht gelang, hämmerten sie mit Fäusten und Fustritten gegen das Auto. Javanovic Miodrag, ein mit Furrer befreundeter, zufällig vorbeifahrender Jugoslawe, stellte sein Auto vor meines, um die Wegfahrt zu verhindern. Bei der Polizeieinvernahme sagte er aus, er habe nicht gewusst, um was es eigentlich ginge, er habe einfach gemacht, was man ihm gesagt habe. Auch die meisten anderen Mitläufer dieser Horde wussten gar nicht, um was es ging. Aber die Gelegenheit zu einer Rauferei und Lynchjustiz schien ihnen an diesem langweiligen freien Samstag gerade recht zu kommen. Auch Nationalrat Bortoluzzi wusste nicht, was vor sich ging, als er einem Angestellten Furrers sein Taschenmesser gab, um einen Reifen aufzuschlitzen. Der Herr Nationalrat hielt es nicht für angebracht, sich zuerst zu informieren, bevor er sich an Sachbeschädigung und Nötigung beteiligte.

Eine unrühmliche Rolle bei diesem Vorfall spielte auch andere Lokal-Prominenz: der Gemeindepräsident von Affoltern, der sofort für Metzger Furrer Partei ergriff, was angesichts seines enormen Fettbauches nicht erstaunt: Soviel Übergwicht haben nur starke Fleischesser, und diese haben keine Sympathie für den VgT-Slogan ESSEN SIE VEGETARISCH - IHRER GESUNDHEIT UND DEN TIEREN ZULIEBE.

Um die angreifende Horde zusätzlich anzufeuern, griff Furrer zu einem hinterlistigen Trick: Er simulierte, er sei von meinem Fahrzeug - das anfänglich noch versuchte, im Schritttempo wegzufahren - angefahren worden. Abgesehen davon, dass ein Überfahren des Angreifers durch das Notwehrrecht gerechtfertigt gewesen wäre, wurde er aber tatsächlich gar nicht angefahren. Was sich direkt vor der Windschutzscheibe wirklich abspielte, konnte ich genau beobachten. Im Gedränge rund um das Auto verlor Furrer einen Augenblick das Gleichgewicht. Er stand auf einem Bein und wollte sich wieder auffangen. Dann - deutlich erkennbar - besann er sich anders. Sich mit den Händen auf den Kühler stützend liess er sich langsam zu Boden gleiten und streckte dann beide Beine in die Luft. Durch die Windschutzscheibe konnte ich nur noch seine Schuhe über den Kühler herauf ragen sehen. Unnötig zu sagen, dass sich in dieser Phase das Fahrzeug längst nicht mehr bewegte, sonst wäre Furrer nämlich überfahren worden. Unnötig auch zu sagen, dass jemand, der angefahren und verletzt wird, nicht auf dem Rücken am Boden liegend seine Beine wie in einer Yoga-Stunde senkrecht gegen den Himmel streckt. Dieses Theater bewerkstelligte Furrer ganz klar nur deshalb, um bei seiner Horde Rachelust zu entflammen und deren letzte Hemmungen zu beseitigen. Obwohl jeder Zuschauer leicht erkennen konnte, dass Furrer simulierte, spielte seine Bande sofort begeistert mit. Der Angriff auf das Fahrzeug nahm an Intensität zu und es wurde ein Notfallwagen alarmiert. Bis dieser mit Blaulicht eintraf, legte sich Furrer auf den Kühler meines Fahrzeuges, quer vor die Windschutzscheibe. Dies war - nach der vorangehenden Yogaübung vor dem Fahrzeug - eine weitere beachtliche sportliche Leistung des angeblich angefahrenen und verletzten alten Herrn!

Was war denn überhaupt der Anlass für diesen gewalttätigen Überfall auf mein Fahrzeug? Hatte ich den Fischbehälter gestohlen oder in Stücke geschlagen? Hatte ich Fenster des Restaurants eingeschlagen? Nein! Nichts von alledem. Ich hatte lediglich auf dem Fischbehälter einen Kleber mit dem Wort "Tierquälerei" angebracht - als Denkanstoss für Furrer und seine Gäste. Dieser Kleber lässt sich sehr leicht entfernen, einfach wegziehen.

Eine Sachbeschädigung oder sonst eine rechtswidrige Handlung meinerseits lag nicht vor. Der Angriff auf unser Fahrzeug war auch deshalb unverhältnismässig, weil ohne weiteres einfach die Autonummer hätte notiert werden können.

Allein seine Abneigung gegen Tierschützer genügten Dorfkönig, Wirt und Metzger Fred Furrer, um - wie in einem billigen Wildwestfilm - eine Horde zu Lynchjustiz aufzuhetzen. Wäre es dieser Menge, die gruppendynamisch jede Selbstbeherrschung verloren hatte, gelungen, die Autofenster einzuschlagen, dann wäre mein Leben und das meiner Mitfahrerin akut bedroht gewesen. Dieser Übermacht von einem Dutzend sich in der Masse anonym fühlender Schläger wären wir schutzlos ausgeliefert gewesen. Die Gewalttätigkeiten gegen das Fahrzeug, das Geschrei und die aggressiven Gesichter zeigten die Gefährlichkeit der Situation deutlich.

Furrer hat später ein ärztliches Zeugnis vorgelegt, das ihm scheinbar eine Prellung attestiert. Da ich wusste, dass das nicht sein konnte, habe ich mich mit diesem Arztzeugnis etwas genauer befasst: Der Befund im ärztlichen Zeugnis lautet: "Leichte Prellungen der linken Beckenschaufel... In der Nachkontrolle 4 Tage nach dem Unfall waren keine Verletzungen, welche vom Unfall herrührten, festzustellen." Zuerst fällt bei genauem Aktenstudium auf, dass das ärztliche Zeugnis nicht vom Arzt unterschrieben ist, der Furrer tatsächlich untersuchte. Weiter fällt auf, dass diese angebliche Prellung nach vier Tagen bereits verschwunden war. Jeder Arzt kann bestätigten, dass Prellungen nicht innert vier Tagen verschwinden. Erkundigungen ergaben, dass Bagatell-Prellungen von den Ärzten üblicherweise lediglich aufgrund von Angaben des Patienten diagnostiziert werden. Wenn der Patient sagt, er habe Schmerzen und bei Berührung "Aua" sagt, dann wird eine Prellung diagnostiziert. Eine objektive ärztliche Feststellung einer Prellung liegt deshalb nicht vor. Da nach 4 Tagen die angebliche Prellung verschwunden war, steht im Gegenteil fest, dass es gar keine gab und dass Furrer nur simuliert hat. Am 25. November 2000 habe ich dem Gericht beantragt, diesen Sachverhalt durch Befragung der Ärzte, die Furrer untersucht haben, zu überprüfen. Seltsamerweise und unter Missachtung des gesetzlichen Beweisrechtes hat der Herr Gerichtspräsident auf diesen Beweisantrag nicht reagiert. Sind Beweise vor diesem Gericht unerwünscht, welche für Dorfkönig Furrer Nachteiliges ergeben könnten?

Furrers erschlichener ärztlicher Attest einer nicht existierenden Prellung stellt zusammen mit seiner Strafanzeige wegen angeblicher Körperverletzung eine Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Artikel 304 StGB bzw eine falsche Anschuldigung im Sinne von Artikel 303 dar. Gemäss Artikel 303 wird mit Zuchthaus oder Gefängnis bestraft, wer einen Nichtschuldigen wider besseres Wissen eines Vergehens beschuldigt, in der Absicht, eine Strafverfolgung gegen ihn herbeizuführen.

Das Verhalten von Wirt Furrer bei diesem Vorfall lässt die gleiche Einstellung erkennen, die bereits zu einer Vorstrafe führte: die Meinung, zu rabiatem Vorgehen gegen Personen berechtigt zu sein, wenn ihm etwas nicht passt. Einen Lebensmittelinspektor, der es offenbar - wie wir Tierschützer - wagte, etwas an seinem Restaurant zu beanstanden, schloss Furrer kurzerhand im Kühlraum ein.

Die von der Bezirksanwaltschaft beantragte Busse 800 Fr stellt für den wohlhabenden Wirt und Metzger eine Trinkgeldbusse dar, die wohl nicht geeignet ist, ihn zum Überdenken seiner Gewaltbereitschaft zu veranlassen. Demgegenüber wirkt es wie ein Hohn, dass für die nicht vorbestrafte Fahrerin meines Autos fünft Tage Gefängnis beantragt sind. Und ich selber wurde zu 45 Tagen Gefängnis unbedingt verurteilt lediglich weil ich das tierquälerische Verhalten von Schächtjuden kritisiert habe. Obwohl laut Bundesverfassung alle vor dem Gesetz gleich sind, gibt immer noch - wie im Mittelalter - Vorrechte durch Geburt, Vermögen und Parteibuch: Juden dürfen nicht kritisiert werden, und Wildwestmethoden der Lokalprominenz wird mit wohlwollender Milde begegnet.

Wie aus der übereinstimmenden und voneinander unabhängigen Aussagen bei den unmittelbar auf den Zwischenfall folgenden Polizei-Einvernahmen von Marcela F, Doris L, Heidi K und von mir hervorgeht, war Furrer schon lange wieder auf den Beinen und hatte sich vor der Windschutzscheibe auf den Kühler gelegt, als Bortoluzzi und Konsorten den Reifen aufschlitzten. Dieses Aufschlitzen des Reifens war in keiner Weise notwendig oder gerechtfertigt. Ein Wegfahren war sowieso unmöglich, weil Furrer auf der Windschutzscheibe lag und vor unter hinter unsem Fahrzeug bereits Hindernisse aufgestellt waren.

Bortoluzzi versucht sich zu rechtfertigen, er habe gemeint, er müsse Fahrerflucht verhindern. Kommt es einem Nationalrat nicht in den Sinn, er könnte einfach die Autonummer aufschreiben? Entspricht es dem üblichen Verantwortungsbewusstsein eines SVP-Nationalrates, auf Gerüchte hin sofort zu Gewalt zu greifen. Die Schutzbehauptung von Bortoluzzi und seines Gehilfen, lediglich "Führerflucht" verhindert haben zu wollen, ist fadenscheinig und stellt offensichtlich eine abgesprochene Schutzbehauptung dar, was auch dem einvernehmenden Polizeibeamten auffiel. Im Rapport vom 23.11.1999 wird ausdrücklich festgehalten (Zitat): "Aufgrund der übereinstimmenden Angaben seitens der Angeschuldigten kann davon ausgegangen werden, dass gewisse Absprachen über den Vorfall bestehen."

Die Angreifer wussten im übrigen ganz genau, dass sie widerrechtlich handelten. Darum machten sich die meisten aus dem Staub, nachdem ich per Mobiltelefon die Polizei aufgeboten hatte.

Ich beantrage eine saftige Bestrafung der Angeschuldigten als Zeichen, dass in einem Rechtsstat Faustrecht und Wildwestmethoden auch von unbelehrbaren Nationalräten und Dorfkönigen nicht geduldet werden.

Erwin Kessler, Präsident VgT

 

Das Urteil des Bezirksgerichtes Affoltern vom 15. Mai 2001

Alle Angeschuldigten wurden freigesprochen. Gegen den Freispruch von Central-Wirt und Metzger Fred Furrer sowie Nationalrat Bortoluzzi und seinen jugoslawischen Gehilfen hat der VgT sofort Berufung an das Obergericht erhoben.


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