21. März 2001

Kloster Disentis:
VgT interveniert gegen Persilschein des Kantonstierarztes

Der VgT hat heute bei der Staatsanwalt des Kantons Graubünden folgende Eingabe zum hängigen Strafverfahren gegen den Klosterhof Disentis eingereicht:

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 19. März 2001 haben wir eine Tierschutz-Strafanzeige gegen den Klosterhof Disentis eingereicht.

Der Presse (Bündner Tagblatt vom 20.3.2001) haben wir entnommen, dass Kantonstierarzt Kaspar Jörger dem Klosterhof umgehend einen Persilschein erteilt hat, offensichtlich noch bevor er in genauer Kenntnis unserer Strafanzeige war. Damit will er wohl seine Nachlässigkeit beim Tierschutzvollzug verschleiern. Jedenfalls ist unter solchen Umständen das Veterinäramt als befangen zu betrachten. Wir ersuchen Sie, Ihre Aufsichtsfunktion dahingehend wahrzunehmen, dass die Untersuchung durch unabhängige Fachleute, nicht durch das Veterinäramt, erfolgt. Wir beantragen hiefür Vertreter der Landwirtschaftsschule Plantahof.

Gemäss Presseberichten rechtfertigen sich die Klosterverantwortlichen mit der Unwahrheit, im Schweinestall habe es Strohraufen. Die beiliegenden Fotoaufnahmen von Anfang März 2001 (die teilweise im Internet veröffentlicht sind unter www.vgt.ch/vn/0201/disentis.htm) zeigen deutlich, dass es bisher keine Strohraufen hatte. Sollten solche nun rasch eingebaut werden, ist das ganz in unserem Sinne. Für die Strafuntersuchung ist jedoch der Zustand massgeblich, wie er bis zur Einreichung der Strafanzeige geherrscht hat. Sollte eine parteiische Strafuntersuchung den Tatbestand verschleiern und unsere Anzeige als haltlos hinstellen, behalten wir uns rechtliche Schritte vor.

Weiter macht das Kloster geltend, bis Ende des letzten Jahres habe der Klosterhof Direktzahlungen für Freilandhaltung der Kühe (Bundesprogramm RAUS) erhalten, die gesetzliche Mindestanforderung von 30 Tagen Winterauslauf seien deshalb eingehalten. Diese Darstellung ist zumindest in der Schlussfolgerung falsch, denn Artikel 18 der Tierschutzverordnung verlangt ausdrücklich "regelmässigen" Auslauf. Und Ziffer 2.17 der "Richtlinien des Bundesamtes für Veterinärwesen für die Haltung von Rindvieh" konkretisiert Artikel 18 ausdrücklich so, "dass die Tiere nicht über mehrere Wochen ohne Unterbruch angebunden sind". Indem die angebundenen Kühe des Klosterhofes dieses Jahr noch nie Auslauf erhalten haben, ist Artikel 18 in eklatanter Weise verletzt worden.

Im übrigen halten wir es für ein beschämendes Armutszeugnis, dass sich ein Kloster auf die strafrechtlichen Mindestvorschriften beruft. Von einem Kloster würden wir etwas mehr Verantwortung gegenüber Gottes Geschöpfen erwarten als nur gerade die Einhaltung von Polizeivorschriften! (Tatsächlich wurden aber, wie dargelegt, nicht einmal diese respektiert.)

Mit freundlichen Grüssen
Dr Erwin Kessler, Präsident Verein gegen Tierfabriken Schweiz VgT


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