10. Oktober 2000, aktualisiert 2006

Tierschutzrevision:
- Kastration ohne Betäubung weiterhin erlaubt
- keine Hoffnung für Bär Mario aus dem Bundeshaus
- künftig EU-Schlachttiertransporte durch die Schweiz

 

Der VgT hat heute dem Eidg Volkswirtschaftsdepartement folgende Vernehmlassung zur geplanten Revision des Tierschutz-Rechtes eingereicht:

1. Verordnung über die Ein-, Durch- und Ausfuhr von Tieren und Tierprodukten

Zu Art 59 Abs 6:

Die generelle Erlaubnis zur Durchfuhr lebender Tiere, insbesondere von Schlachttieren, durch die Schweiz ist mit Artikel 1 und 2 des Tierschutzgesetzes unvereinbar und stellt unseres Erachtens einen verfehlten Kniefall gegenüber der EU dar.

Das gleiche ist zu sagen zur Aufhebung der Pflicht zum Ausladen der Tiere an der Grenze zur Erholung und Inspektion. Eine Kontrolle des Zustandes der Tiere in beladenen Schlachttiertransportfahrzeugen ist erfahrungsgemäss praktisch unmöglich.

Der Bund muss unter allen Umständen festhalten a) am Verbot des Transits von Schlachttieren auf der Strasse, b) am bis heute faktischen Verbot des Transits per Bahn, c) an der Autonomie der Tierschutzkontrolle durch Schweizer Organe.

Eine von Protection und kagfreiland im Frühjahr 2000 in Auftrag gegebene Repräsentativumfrage zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung keinen Schlachttransit durch die Schweiz will.

 

2. Tierschutzverordnung

Eingriffe ohne Schmerzausschaltung:

Dass Kastration und Schwanzcoupieren weiterhin ohne Betäubung erlaubt werden - unter krasser Missachtung des Tierschutzgesetzes -, zeigt wieder einmal mit aller Deutlichkeit, dass die Schweiz von einer Mafia regiert wird.

Schnabelkürzen:
Wir lehnen diese technokratische Tierverstümmelung ab und schliessen uns der Begründung von "kagfreiland" an: Das Touchieren eines Schnabels stellt einen ebenso massiven Eingriff dar wie das Coupieren. Die Argumentation, dass beim Touchieren geringere Verletzungen entstünden, trifft oft nicht zu, weil es in der Praxis meist an Zeit und ausgebildeten Personen mangelt. Die Spätfolgen von Touchieren und Coupieren sind zudem vergleichbar: Das Durchtrennen der freien Nervenendigungen kann zu Wucherungen/Neuronen führen und anhaltende Schmerzen bewirken. In Analogie zu Schmerzen nach Amputationen bei Menschen muss auch beim Schnabelkürzen von Phantomschmerzen ausgegangen werden. Der Eingriff ist daher aus tierschützerischer Sicht grundsätzlich zu verbieten. Er stellt eine reine Symptombekämpfung dar und bedeutet keine Lösung für das zugrundeliegende Problem: die Hochleistungszucht! Durch diese wurde ungewollt eine starke genetische Veranlagung für die Verhaltensstörungen Federpicken und Kannibalismus mitselektioniert. Somit ist statt des Schnabelkürzens ein internationales Engagement für eine Zucht gegen diese Merkmale und für die Suche nach alternativen, weniger intensiven Hybriden anzustreben. Um Schäden durch gegenseitiges Bepicken zu vermindern, ist eine artgemässe Aufzucht unverzichtbar: Eine gut strukturierte Umwelt mit vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten, Aussenklimareizen und sozial verträglichen Einheiten stellen neben einer bedarfsgerechten Fütterung die besten Präventivmassnahmen dar. Im Falle eines Ausbruchs von Federpicken oder Kannibalismus ist primär durch zusätzliche Beschäftigungs- und Fütterungsmassnahmen (Vitamine, Probiotika, Bierhefe, zusätzliche Eiweisse wie Quark, etc.) zu reagieren.

Das Einsetzen von Rüsselklammern und Nasenringen bei Schweinen ist gänzlich zu verbieten, da der Eingriff an und für sich schmerzhaft ist und zudem ein artesisches Verhalten, das Wühlen, verhindert: Beim Versuch, gemäss ihrem natürlichen Verhalten zu wühlen, werden den Tieren jedesmal Schmerzen zugefügt. Es soll den Schweinen ein Wühlareal zur Verfügung zu gestellt werden.

Es ist nicht einzusehen, weshalb das Einsetzen des Nasenrings bei Stieren ohne Schmerzausschaltung geschehen soll.

 

Wildtierhaltung:

Eine Fläche von bloss 150 m2, entsprechend rund 12x12m, als Lebensraum für zwei Grossbären, missachtet die natürlichen Bedürfnisse dieser Tiere und das Tierschutzgesetz total. Dies nur als Beispiel für die völlig unakzeptable und gesetzwidrige Regelung der Wildtierhaltung.

Einmal mehr vermissen wir Tierschutzvorschriften über Fische und andere Wassertiere, sowie für Pferde, Ziegen und Schafen. Wir schliessen uns diesbezüglich der Stellungnahme von "kagfreiland", "fair-fish" und der Arbeitsgruppe zum Schutz der Meeressäugern an.

 

Tierversuche:

Wir vermissen die Berücksichtigung langjähriger Forderungen zum verbesserten Schutz der Versuchstiere; wir verweisen diesbezüglich auf die Stellungnahme des Fonds für versuchstierfreie Forschung (FFVFF).

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Nachtrag: Ausser dem Verbot des Kastrierens ohne Betäubung (das gemäss dem revieidierten Gesetz ab 2009 gelten) blieben obige Forderungen der Tierschutzorganistionen unberücksichtigt. 


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