2. Februar 2000

Tierquälerei als Freizeitvergnügen:
Fischer wollen keinen "Köderfischvogt"

Am 20. November 1996 hat der VgT dem Grossen Rat des Kantons Thurgau in einer Petition beantragt, das Sportfischen mit lebenden Köderfischen zu verbieten. Bei dieser Methode werden kleine Fische lebend auf den Angelhaken aufgespiesst. Derart qualvoll am Haken hängend werden sie ins Wasser gehalten, bis vielleicht einmal ein Raubfisch anbeisst. Beisst keiner an, muss der qualvoll angehakte Köderfisch das mehrmalige Einziehen und wiederholte Auswerfen erdulden. Der Köderfisch erleidet dabei neben den körperlichen Schmerzen Todesangst, da er am Fliehen gehindert ist, insbesondere dann, wenn sich ein Raubfisch nähert. Durch das mehrmalige Einziehen und Auswerfen wird der Fisch einem enormen Stress ausgesetzt, bis er schliesslich an seinen Verletzungen oder an Erschöpfung stirbt. Und dies alles nur als Freizeitvergnügen. (Berufsfischer verwenden keine lebende Köderfische, da sie nur mit Netzen fischen.)

Am 10. September 1997 lehnte der Grosse Rat die Petition ab mit der Begründung, man wolle die Gesetzgebung des Bundes abwarten. Nun hat der Bund eine Änderung der Fischereiverordnung in die Vernehmlassung geschickt mit der Frage: "Teilen Sie die Auffassung, dass die vorgeschlagene restriktive Verwendung von lebenden Köderfischen einem zeitgemässen Tierschutz entspricht?"

Die vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) vorgeschlagene Regelung der Verwendung lebender Köderfische verbietet diese Grausamkeit nicht, sondern verlangt lediglich, dass lebende Köderfische nur in Gewässern eingesetzt werden dürfen, "wo der Fang bestimmter Fische sonst nicht möglich ist". Ferner sollen Köderfische nur noch am Maul angehakt werden dürfen, nicht mehr am Bauch.

Diese milden Einschränkungen gehen dem Schweizerischen Fischer-Verband SFV bereits zu weit: "Harsche Kritik am BUWAL" heisst es in der jüngsten Ausgabe der Sportfischer-Zeitung "PetriHeil", die Fischer wollten keinen "Köderfischvogt" und "das Vorprellen des BUWAL Wasser auf die Mühlen extremistischer Tierschützer" leiste. Die rücksichtslose Einstellung der organisierten Sportfischer könnte klarer nicht ausgedrückt werden. Wenn es darum geht, grobe Tierquälerei als Freizeitvergnügen anzuprangern, kann ein seelisch gesunder Mensch wohl nicht "extremistisch" genug sein! Und für einmal sind sich VgT und die konservativen Tierschutzvereine einig, dass diese Tierquälerei verboten, nicht nur eingeschränkt, gehört.

Die Sportfischer-Zeitung "PetriHeil", die nun so lautstark für Freiheit zur vergnüglichen Tierquälerei auf die Barrikaden geht, hat die Verwendung lebender Köderfische immer wieder propagiert und dazu detaillierte Anleitungen gegeben. Zur Illustration der Petition sind in den "VgT-Nachrichten" vom September 1997 (www.vgt.ch/vn/9705/index.htm) sind Bilder aus "PetriHeil" wiedergegeben worden, auf denen das Aufspiessen lebender Köder auf Stahlhaken vorgeführt wird. Da Laien kaum glauben können, dass in einem zivilisierten Land ungestraft und ganz selbstverständlich mit Farbbildern illustrierte Anleitungen zu schwerster Tierquälerei veröffentlicht werden. "PetriHeil" hat mich hierauf als Herausgeber der VgT-Nachrichten eingeklagt und 10 000 Fr für angeblich entgangene Bildlizenzen verlangt, obwohl eine Lizenz gar nie erteilt worden wäre, denn "PetriHeil" verlangte auch noch eine Genugtuung wegen Rufschädigung, weil die Bilder "sinnentstellend" wiedergegeben worden seien. (An den Bilder wurde jedoch rein gar nichts geändert.)

Das Tierschutzgesetz, das auch für Fische gilt, schreibt in Artikel 2 vor:
"Niemand darf ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen oder es in Angst versetzen."

Dieser Tatbestand trifft offensichtlich genau auf eine Tierquälerei im Rahmen eines blossen Freizeitvergnüggens zu. Ich habe deshalb gegen die Schadenersatzklage von "PetriHeil" eingewendet, dass Bildern mit gesetzwidrigem und unsittlichem Inhalt nach geltendem Recht kein Rechtsschutz gewährt werden dar. In seiner üblichen Willkür gegen den VgT ist das Thurgauer Obergericht im kürzlich zugestellten Urteil nicht darauf eingegangen. Am 31. Januar 2000 habe ich den Fall an das Bundesgericht weitergezogen (Wortlaut der Beschwerde unter www.vgt.ch/justizwillkuer/petriheil.htm) und werde die Presse- und Meinungsäusserungsfreiheit nötigenfalls wieder einmal bis vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verteidigen, wo bereits 15 andere Menschenrechtsbeschwerden des VgT gegen die Schweiz hängig sind.


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