18. Januar 2000

Die Einstellung der Strafuntersuchung gegen einen Landwirt in Hedingen/ZH bringt es an den Tag:
Klare Missachtungen von Tierschutzvorschriften werden vom Zürcher Behördenfilz gedeckt

Die Kühe von Landwirt Baumann in Hedingen kommen nie auf eine Weide. Manchmal kurzen Auslauf auf dem betonierten kleinen Platz hinter dem Stall ist - sonst stehen und liegen die Kühe praktisch ihr ganzes Leben angebunden im Stall. Liegen müssen sie auf einer Hartgummimatte - so hart wie eine Schuhsole.

Die Tierschutzverordnung schreibt in Artikel 17 vor:
Für Kälber bis vier Monate, für Kühe und hochträchtige Rinder sowie für Zuchtstiere muss der Liegebereich mit ausreichender und geeigneter Einstreu versehen sein.

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Wie obige Foto aus dem Baumanns Stall - aufgenommen im Sommer 1999 - zeigt, hat es keine Einstreu lediglich an den Rändern von blossem Auge kaum erkennbare Restspuren. Mehrere Zeugen - darunter Rechtsanwalt Dr Vogel, Mitglied der Tierschutzkommission des Kantons Zürichs - können bestätigen, dass es im Stall von Landwirt Baumann immer so aussieht wie auf dieser Foto.  Es ist damit erwiesen, dass die Kühe auf dem nackten Hartgummi liegen müssen. Das widerspricht klar Artikel 2 des Tierschutzgesetzes, enn Kühe messen dem Liegekonfort von Natur aus viel Bedeutung bei und erkunden auf der Weide die Eignung eines Liegeplatzes, bevor sie abliegen. Liegekonfort ist für diese schweren Tiere, die zum Wiederkäuen viel und lange liegen, wichtig, um Druckschmerzen an den Gelenken zu vermeiden.

Der VgT hat gegen Landwirt Baumann Strafanzeige wegen Verletzung der Einstreuvorschrift eingereicht (www.vgt.ch/news/990920). Nun hat der Statthalter Maag (Bezirk Affoltern am Albis) Landwirt Andreas Baumann mit "hoi Andi" zur "Einvernahme" begrüsste, die Strafuntersuchung eingestellt: Auch keine Einstreu erfüllt noch die Einstreuvorschrift! Für diesen mafiosen Umgang mit den Tierschutzvorschriften (und damit auch mit den Volksrechten, denn das Schweizervolk hat mit überwältigender Mehrheit ein Tierschutzgesetz gutgeheissen, welche eine artgerechte Haltung der Nutztiere verlangt) liefert das Bundesamt für Veterinärwesen wie imm das Fundament. Seine Richtlinien für die Haltung von Rindvieh suggerieren den Vollzugsbehörden, es brauche nicht so viel Einstreu, dass der Liegekonfort der Kühe verbessert werde.

Das kantonale Veterinäramt - wie immer bestrebt, die gewerbsmässigen Tierquäler statt die Tiere zu schützen - hat auf dubiose Weise im Stall von Baumann Fotos erstellt von einer bodenbedeckenden Einstreu, während drei unabhängige Zeugen unabhängig voneinander zu unterschiedlichen Zeiten nie gesehen haben. Ob das Veterinäramt einfach wie üblich seine Kontrolle angemeldet hat, um Baumann Gelegenheit zu geben, Missstände vorübergehend zu beseitigen, oder ob weitergehende Machenschaften im Spiel sind, ist nicht klar. Tatsache ist jedenfalls, dass im Kanton Zürich landauf landab in Schweine- und Rindviehställen das Tierschutzgesetz toter Buchstabe bleibt.

Die Tierschutzkommission des Kantons Zürichs hat keine Kompetenzen und kann gegen solche behördlichen Entscheide nichts unternehmen; sie hat blosse Alibifunktion und stellt nichts als eine Verschleuderung von Steuergeldern dar. Aus diesem Grund ist der Präsident der Tierschutzkommission, Tierarzt Dr Hohl aus Adliswil, zurückgetreten; die Kommission hat jetzt keinen Präsidenten mehr, was es ja aber auch nicht braucht, um nichts zu tun. Menschen mit Charakter haben diese Alibi-Kommission verlassen, Feiglinge und Vertreter der Agro-Mafia sind geblieben: Dr Vogel, Rechtsanwalt in Zürich, und Mitglied der Tierschutzkommission, hat den Stall von Baumann im vergangenen Sommer anlässlich eines "Tages der offenen Tür" besichtigt und bestätigt, dass es so wie auf der Foto ausgesehen hat. Dem Statthalteramt gab er dann an, er möchte nicht als Zeuge aussagen - obwohl er dazu gesetzlich verpflichtet ist! - und er habe keine "Missstände" festgestellt. Dass nichts geht in Sachen Tierschutz, wenn solche Feiglinge als "Tierschutzvertreter" in der kantonalen Tierschutzkommission hocken, kann nicht erstaunen.

Der Rechtsanwalt in Tierschutzstrafsachen des Kantons Zürich hätte zwar Kompetenzen, nützt diese aber regelmässig nicht. So hat er auch in diesem Fall die skandalöse Einstellungsverfügung des Statthalteramtes Affoltern nicht angefochten.

Dem VgT bleibt damit einmal mehr nichts anderes übrig als den Appell an die Konsumenten, Zurückhaltung zu üben beim Konsum von Milch und

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