18.März 2003

Mythen-Center Schwyz: Rambo-Verhalten der Privatpolizei

Skandalöser Freispruch durch den Schwyzer Polit- und Justizfilz

Zwei Angestellte der Sicherheitsfirma Schilter haben VgT-Aktivisten, die im Mythen-Center friedlich Gratisexemplare der Mythen-Post mit einem Artikel Pelzkrägen an Winterjacken: Kundentäuschung beim Modehaus Vögele verteilten, gewalttätig festgehalten und bedroht. Einer der Aktivisten wurde rund eine Stunde im Büro eingeschlossen und zwangsfotografiert, indem ihm einer de Angeklagten den Kopf an den Haaren nach hinten riss, während der andere fotografierte. Private Sicherheitsangestellte haben keine Polizeibefugnisse. Das Bezirksamt Schwyz erhob Anklage wegen Nötigung. Die amtliche Anklage lautete wie folgt:

Lauper Olivir wird angeklagt der Nötigung im Sinne von Art 181 StGB, begangen dadurch, dass er jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigte, etwas zu tun, zu unterlasen oder zu dulden, indem er am Montag, 28.12.1998, zwischen ca 15.15 Uhr und ca 18.00 Uhr, in 6438 Ibach/SZ auf dem Dachparking Mythen-Center im Büro-Container der Firma Schilter Sichern-Bewachen den Kopf des Strafklägers an den Haaren hoch riss, um diesen in Fotoposition zu bringen, damit Schuler Andreas, geb 02.11.1971, Sicherheitsbeamter, Herrengasse 20, 6430 Schwyz, von diesem ein Polaroidfoto anfertigen konnte. Durch das gewaltsame Festhalten des Kopfes wurde der Strfkläger genötigt, sich gegen seinen Willen von Schuler Andreas fotografieren zu lassen. Weil der Strafkläger dem Angeklagten und Schuler Andreas klar und deutlich zu verstehen gab, dass er sich nicht von ihnen fotografieren lassen wollte, hat der Angeklagte die Widerrechtlichkeit seiner nötigenden Verhaltens zumindes in Kauf genommen.

Antrag: Der Angeklagte sei im Sinne der Anklageschrift schuldig zu sprechen.

Die Anklage gegen Andreas Schuler lautet analog.

In einem früheren Verfahren wurden die beiden Angeklagten vom Vorwurf der Freiheitsberaubung sonderbarerweise frei gesprochen (www.vgt.ch/vn/0201/schilter.htm).

Wie die Schwyzer Bevölkerung vom "Boten der Urschweiz" einmal mehr auch über diesen Fall falsch und tendenziös informiert wurde: www.vgt.ch/news_bis2001/010528.htm.

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Das Plädoyer des Vertreters des Geschädigten und Anklägers, VgT-Präsident Dr Erwin Kessler, am 12.3.03 vor dem Bezirksgericht:

Der Geschädigte verteilte zusammen mit ein paar Tierschutzfreunden im Mythen-Center die Gratis-Zeitung Mythen-Post, in welcher ein Beitrag mit dem Titel "Pelzkrägen an Winterjacken: Kundentäuschung beim Modehaus Vögele" enthalten war. Dies wurde im Mythen-Center verteilt, weil das Modehaus Vögele dort eine Filiale hat. Bald darauf, um ca 16 Uhr, kam der Hauswart des Mythen-Centers auf den Geschädigten zu und fragte ihn, was verteilt werde. Der Geschädigte gab ihm ein Exemplar der Mythen-Post. Daraufhin erklärt der Hauswart, dass dies Privatgrund sei und ohne Bewilligung nichts verteilt werden dürfe. Der Geschädigte erklärte sich bereit, mit dem Verteilen aufzuhören und wegzugehen, wurde jedoch vom Hauswart gestoppt und nach dem Auftraggeber gefragt. Da der Geschädigte die Auskunft verweigerte, rief der Hauswart per Funk Beat Schilter von der Sicherheitsfirma Schilter herbei. Dieser wollte die Personalien wissen, was der Geschädigten jedoch verweigerte, solange sich der Schilter seinerseits nicht ausweise. Da dieser keinen Ausweis bei sich trug gingen beide zusammen zum Bürocontainer der Firma Schilter auf dem Parkdeck hinauf, der Geschädigte in der selbstverständlichen Erwartung, dass sich Schilter dort ausweisen werde und die Sache rasch erledigt werde. Es kam aber anders. Schilter konnte sich auch im Büro nicht ausweisen, da er auch dort keinen Ausweis hatte; er hatte den Geschädigten in anderer Absicht dorthin gelockt und drohte nun dem Geschädigten, er werde ihn bis 20 Uhr festhalten, wenn er nicht sage, in wessen Auftrag er hier sei. Schliesslich rief er seinen Kollegen, den angeklagten Andreas Schuler, herbei. Dieser zeigte seinen Ausweis, worauf der Geschädigte seinerseits seinen Ausweis gab. Schuler spannte nun ein Formular in die Schreibmaschine und fing nun ein eigentliches Verhör mit dem Geschädigten. Der Geschädigte sagte ihm, dass er dazu kein Recht habe und dass er keine Fragen beantworte. Schuler versuchte, auf den Geschädigten Druck auszuüben, drohte mit der Polizei und sagte, der Geschädigte könne mit seiner Zeit doch besseres anfangen, als hier festgehalten zu werden. Dazwischen funkte Schilter immer wieder mit anderen Angestellten, die auf der Suche nach den anderen Tierschützern waren und wies diese an, deren Personalien und den vermeintlichen Auftraggeber zu ermitteln. Er fragte den Geschädigten nach den Personalien der anderen. Immer wieder meinte er, der Geschädigte könne doch besseres mit seiner Zeit anfangen, als festgehalten zu werden, die Verwaltung des Mythen-Centers wolle die Personalien der Beteiligten und den Auftraggeber wissen, der Geschädigte müsse ihm nur diese Auskünfte geben, dann könne er gehen. Als er merkte, dass alles nichts nützte, ging er hinaus und kam nach ca. 10 Minuten mit einer Polaroidfotokamera wieder. Er sagte, er müsse nun nur noch ein Bild vom Geschädigten machen, dann könne er gehen. Der Geschädigte sagte, er weigere sich, fotografiert zu werden und drehte sich in eine Ecke, worauf er von hinten fotografiert wurde. Danach ging Schilter hinaus und kam wenig später mit Verstärkung in der Person des angeklagten Oliver Lauper, ebenfalls Angestellter der Firma Schilter, zurück. Beide drohten nun dem Geschädigten, wenn er sich weiterhin weigere, müssten sie ihn zwingen. Als sich der Geschädigte wieder zur Ecke drehte, begann Oliver Lauper den Geschädigten mit Gewalt in Foto-Position zu zerren. Der Geschädigte leistete passiven Widerstand, indem er sich, so gut es ging, immer wieder wegdrehte. Nun packte ihn Lauper an den Haaren und riss seinen Kopf hoch, worauf Schuler eine Aufnahme machte. Darauf muss ein schmerzverzerrtes Gesicht, geschlossene Augen und die Faust zu sehen sein, mit welcher der Kopf des Geschädigten an den Haaren nach hinten gerissen wurde. Diese Feststellung ist wichtig, denn dieses Beweismittel wurde später bei einer Hausdurchsuchung noch rasch beseitigt; ich komme darauf zurück. Nach dem zwangsweisen Fotografieren erklärten die Angeklagten dem Geschädigten, dass er das Mythen-Center nun sofort verlassen müsse. Dies war um 17.15 Uhr. Der Geschädigte war rund eine Stunde lang festgehalten worden.

Die Täter stritten bei der Einvernahme ab zu wissen, wo die gemachten Fotos und der Fotoapparat nachher hingekommen sind. Der angeklagte Oliver Lauper sagte bei seiner Einvernahme vor dem Verhöramt am 7.7.99 (Ziffer 23) "Zuerst war etwas mit dem Film, so dass gar kein Foto herauskam, dh das Bild war nur schwarz." Dies ist offensichtlich gelogen, denn eine misslungene Foto ist niemals schwarz. Wenn bei einer Polaroidkamera die Foto zu früh herausgezogen wird, ist zwar nichts zu erkennen, aber das Bild ist nicht schwarz sondern weiss. Es gibt keine Kamerastörung, bei welcher das Bild schwarz herauskommt. Falls das Gericht an dieser Tatsache zweifelt, beantrage ich dazu ein Fachgutachten, wie ich das vergeblich schon in der Untersuchung beantragt habe. Diese falsche Schutzbehauptung belegt, dass die gemachte Aufnahme versteckt wurde, weil sie die Gewaltanwendung gegen den Geschädigten beweist. Ich beantragte deshalb eine Hausdurchsuchung bei der Firma Schilter. Diese wurde am 9. Juli 1999 durchgeführt. Dem Polizeirapport lässt sich dazu folgendes entnehmen:

Die Hausdurchsuchung begann beim Hauptsitz der Firma Schilter in Schwyz. Von dort aus wurden zwei Polizisten zum Büro im Mythen-Center geschickt. Es werde in einer halben Stunde jemand einen Schlüssel bringen, liess die Firma Schilter verlauten. Einer der beiden Polizisten ging jedoch nicht erst nach einer halben Stunde, sondern sofort dorthin und wartete in der Nähe. Dabei beobachtete er, wie der Manager des Mythen-Centers, Markus Schuler, zum Schilter-Büro lief. Als auch der zweite Polizist eingetroffen war, gingen beide zum Büro und begegneten dem Mythen-Center-Manager Schuler, als sich dieser gerade mit einem Aktenordner, den er dort geholt hatte, entfernen wollte. Die Polizisten wiesen den Hausdurchsuchungsbefehl vor und fragten, was Schuler in diesem Büro der Firma Schilter mache und erhielten zur Antwort, dass sie das nichts anginge. Auch wollte Schuler keine Auskunft darüber geben, was sich in dem Ordner befinde. Wörtlich heisst es im Polizeirapport: "Weil der Verdacht bestand, dass Schuler Markus durch das Wegbringen dieses Ordners genau das gesuchte Material verschwinden lassen wollte, forderte ich ihn auf, uns den Ordner betreffend dem Inhalt vorzuzeigen. Weil Schuler Markus wiederum der Ansicht war, dass uns dies überhaupt nicht zu interessieren habe, wies ich ihn an, bei uns zu warten, um mit Frau Untersuchungsrichterin Haag telefonisch Verbindung aufnehmen zu können. Er meinte dazu, dass er jetzt noch den Büro-Container abschliessen werde und es ihm nicht im Traum in den Sinn kommen würde, bei uns zu warten. Schon mit dem Ordner davonlaufend ergänzte er diese Aussage damit, dass er anderes zu tun habe und nicht unser Lackaffe sei... Die Hausdurchsuchung in diesem Container nahmen wir gleichentags um ca 10.00 Uhr im Beisein von Schilter Theo und Frau Untersuchungsrichterin Haag vor... Zusätzlich gab Schilter Theo an, dass sich im Pult noch ein Ordner mit den mittels Hausverbot belegten Leuten befinden sollte. Dieser war zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr auffindbar. Es muss davon ausgegangen werden, dass es sich dabei um den von Schuler Markus mitgeführten Bundesordner handelt." Ende Zitat aus Polizeirapport

Dem Polizeirapport lässt sich weiter entnehmen, dass Mythen-Center-Manager Markus Schuler beim Entfernen dieses Ordners der Polizei gesagt hat, dieser sei nicht aus dem Büro Schilter, sondern aus einem weissen Schränklein im Vorraum. Später stellte die Polizei fest, dass sich in diesem weissen Schränklein lediglich "Geschirr, Besteck, Kaffeepulver und Zucker befand".

Über den Inhalt des Ordners verweigerte Mythen-Center-Manager Markus Schuler später auch vor der Untersuchungsrichterin hartnäckig jede Aussage, obwohl er auf seine Aussagepflicht als Zeuge hingewiesen wurde (Einvernahme vom 10.11.99, Seite 3).

Das entscheidende Beweismittel - die Fotoaufnahme mit dem an den Haaren nach hinten gerissenen Kopf des Geschädigten - wurden also unter den Augen der Polizei, die danach zu suchen hatte, beiseite geschafft! Das ist ein Skandal. Aber immerhin beweist dies indirekt, dass die fraglichen Aufnahmen existierten und keineswegs, wie die Angeklagten in der Einvernahme logen, misslungen waren. Insgesamt belegen die Umstände die Richtigkeit der Aussagen des Geschädigten bei seiner Einvernahme durch die Untersuchungsrichterin. Im übrigen liegt nichts vor, was Zweifel an den Aussagen des Geschädigten wecken könnte, vielmehr stehen dessen Aussagen auch im Einklang mit den Aussagen der übrigen Zeugen.

Der angeklagte Andreas Schuler sagte in der Einvernahme vom 7.7.99 vor dem Verhöramt: "Auf der Foto war nichts zu erkennen. Ich weiss jedoch nicht mehr, ob es evtl zu hell oder zu dunkel oder einfach unscharf war." (Ende Zitat) Ich beantrage erneut, wie schon vergeblich in der Untersuchung, ein psychologisches Gutachten zur Frage, ob es denkbar ist, dass ein Täter, der sich gedanklich intensiv mit einem Vorfall befasst hat und dazu kurz nach der Tat eine schriftliche Darstellung des Geschehens verfasste, sich ein halbes Jahr später nicht mehr erinnern mag, ob eine sehr wichtige, angeblich misslungene Foto zu hell oder zu dunkel oder zu unscharf gewesen ist, obwohl dies ein ziemlicher Frust gewesen sein muss und das Fotografieren eine zentrale Handlung beim Vorfall spielte. Kann ein normaler Mensch keine Ahnung mehr haben, warum die Foto unbrauchbar war, ob unscharf, schwarz oder weiss? Oder sind bei der Bewachungsfirma Schilter Menschen angestellt mit abnormen Gedächnisstörungen?

Die Täter haben offensichtlich untereinander abgesprochen, sich an rein gar nichts mehr erinnern zu können im Zusammenhang mit diesem gewaltsamen Fotografieren. Das beweist, dass sie sich über die Rechtswidrigkeit ihres Verhaltens bewusst waren. Sie wussten in den Einvernahmen angeblich nicht mehr, woher sie die Kamera hatten und wohin sie sie nachher versorgten, wer fotografierte, wieviele Fotos gemacht wurden, wo die Fotos hingekommen sind und warum kein Ersatzfilm beschafft wurde, nachdem der Film nach wenigen, angeblich misslungenen Fotos schon leer gewesen sein soll. Das Beschaffen eines Filmes wäre im Mythen-Center leicht und rasch möglich gewesen. Während die Täter über alles, was mit diesem Fotografieren zusammenhängt, angeblich nichts mehr wussten, konnten sie sich an alles andere angeblich noch genau und übereinstimmend erinnern, was die abgesprochene Falschdarstellung belegt.

Dies alles beweist, dass diese Fotos etwas zeigen, das die Täter und ihr Gehilfe, der Mythen-Center-Manager Markus Schuler, unbedingt verheimlichen wollten. Und das kann nur das sein, was der Geschädigte glaubwürdig aussagte, dass er nämlich beim Fotografieren mit brutaler Gewalt festgehalten wurde.

Das zwangsweise Festhalten wird auch durch die Aussage von Hauswart Roman Wiget bestätigt (Einvernahmeprotokoll Seite 5 und 6). Danach haben die Freunde des Geschädigten, welche die Angeklagten ebenfalls festzuhalten versuchten, einen Fluchtversuch unternommen, der jedoch wegen der automatischen Türe misslang, worauf die Flüchtenden von den Schilter-Leuten eingeholt und ins Büro zurückgebracht wurden. Auch wenn dieser Fluchtversuch nicht vom Geschädigten im vorliegenden Verfahren, sondern von dessen Freunden unternommen wurde, beweist dieser von den Auskunftspersonen MC, MA und MS übereinstimmend geschilderte und von Hauswart Roman Wiget bestätigte Fluchtversuch, dass die Schilter-Leute, einschliesslich der hier Angeklagten, ein zwangsweises Festhalten praktizierten und sich als Polizeibeamte aufspielten. Schon dass sie sich selber als Beamte, als Sicherheitsbeamte, bezeichnen, zeigt deren amtsanmassende Einstellung und Bereitschaft, sich wie Polizeibeamte aufzuspielen. Die Flüchtenden wurden am Arm gepackt und zurückgeführt und erst losgelassen, als erkennbar war, dass sie sich der Übermacht der Schilter-Leute fügten. Dies beweist den Willen und Vorsatz zur Freiheitsberaubung und Nötigung. Hauswart Wiget formulierte dies ganz klar und unzweideutig so: "Sie [die Angeklagten] hatten diese [die verfolgten Tierschützer] eingekreist und schauten, dass alle da blieben."

Kurz vor diesem missglückten Fluchtversuch hat gemäss Aussage des Zeugen MS (Einvernahmeprotokoll der Kantonspolizei Seite 3) einer der Schilter-Leute einen Knüppel hervorgezogen. Auch dies beweist deren Gewaltbereitschaft, wobei die Drohung mit Gewalt rechtlich genügt, um den Tatbestand der Nötigung zu erfüllen. Es ist nicht erforderlich, dass die Nötigung mit tatsächlicher physischer Gewalt erfolgt. Das Ziehen eines Knüppels durch die körperlich ohnehin schon deutlich überlegenen Täter war unmissverständlich, wie überhaupt deren Auftreten und Gehabe, als wären sie Polizeibeamte mit der Kompetenz zur Festnahme von Personen. Dazu kommt die tatsächlich angewendete physische Gewalt, das gegen die Gitterabschrankung-Pressen von Sylvia Laver und das Am-Arm-Packen von MA, um diese am Fliehen zu hindern (Einvernahme des Zeugen MS vom 13.7.99 Ziffer 20; Einvernahme von MA vom 13.7.99 Ziffern 12,15,18,29; Einvernahme von MC durch die Kapo vom 13.7.99, Ziffern 13,16,17,18,19,20,21,22). Der Angeklagte Oliver Lauper gab in seiner Einvernahme vor dem Verhöramt am 7.7.99 (Ziffer 61) zu, eine der Frauen festgehalten zu haben (Ziffer 65). Dies ist ebenfalls als Nötigung zu beurteilen. Warum dies in der Anklageschrift nicht erwähnt ist, gehört zu den vielen Ungereimtheiten dieses Verfahrens. Ich beantrage, dass die Sache zur Ergänzung der Anklage an das Bezirksamt zurückgewiesen wird.

Dazu kommt das Eingeständnis von Beat Schilter in seiner schriftlichen Eingabe an das Polizeikommando vom 1.2.99, Seite 2: "An den Armen festhalten mussten wir die Personen nur kurz, um die Flucht zu verhindern. Danach standen Sie neben uns." Dies widerholte er bei seiner Einvernahme vom 7.7.99, Ziffern 56,60,61). Das ist ein klares Geständnis, dass die Geschädigten gegen ihren Willen festgehalten wurden, und zwar gewaltsam, bis sie Widerstand und Flucht aufgaben. Warum Beat Schilter unter diesen Umständen nicht mitangeklagt worden ist, ist ein weiterer stossender Mangel dieses Verfahrens. Auch aus diesem Grund ist die Anklage zur Ergänzung zurückzuweisen.

Die Aussagen der Zeugen sind grundsätzlich sinngemäss, unter Berücksichtigung der Umstände auszulegen. Wenn der Zeuge MS aussagte, nach der erfolglosen Flucht sei er mit den ihn verfolgenden Schilter-Leuten "freiwillig" zum Bürocontainer zurückgekehrt, dann meinte er damit offensichtlich, dass er angesichts der Hoffnungslosigkeit der Situation auf gewaltsamen Widerstand verzichtet und es vorgezogen habe, sich zu fügen. Er hat dies in seiner Einvernahme denn auch dahingehend präzisiert, dass die Gruppe es einfach aufgegeben habe zu fliehen (Einevernahmeprotokoll der Kantonspolizei vom 13.7.99 Ziffer 20). Von "freiwillig" im rechtlichen Sinne kann nicht die Rede sein. Das Gleiche gilt für den Geschädigten Peter Beck, der sich genötigt fühlte, mit dem Angeklagten zum Bürocontainer hinaufzugehen, um Gewalt zu vermeiden. Es würde jeder Vernunft und Lebenserfahrung widersprechen anzunehmen, er sei freiwillig eine Stunde lang im Bürocontainer geblieben, wohl wissend, dass ihn seine Freunde suchten und sich Sorgen um ihn machten. Die Geschädigten und ihre Begleiter sagten aus - jeder in seiner Ausdrucksweise aber inhaltlich übereinstimmend -, dass sie eingeschüchtert wurden, sich bedroht fühlten und Angst hatten und dass es wiederholt zu Tätlichkeiten gekommen sei, bis sie genügend eingeschüchtert waren.

Insgesamt haben die Angeklagten durch ihr befehlendes und drohendes Auftreten in Uniform, durch ihre Tätlichkeiten und durch die unmissverständliche Signalisierung von Gewaltbereitschaft (Knüppel-Ziehen, Verfolgung und Verhinderung einer Flucht) einschüchternd und nötigend auf die Betroffenen eingewirkt.

Die Firma Schilter bezeichnet ihre Angestellten, darunter gestrandete Möchtegern-Polizisten, arrogant als "Beamte". Angestellte einer privaten Bewachungsfirma haben jedoch keine polizeilichen Befugnisse. Bei Bedarf haben sie vielmehr die Polizei zu avisieren. Das gewaltsame Vorgehen gegen friedliche Tierschützer wirft die Frage auf: Wer schützt uns vor der Privatpolizei? Die in der Anklageschrift des Bezirksamtes beantragte Trinkgeldbusse von 500 Franken ist nicht geeignet, ein klares Signal gegen solches Rambo-Verhalten der Privatpolizei zu setzen.

Der Geschädigten wurde unrechtmässig festgenommen, über eine Stunde festgehalten und mit Gewalt genötigt, sich fotografieren zu lassen. Das erfüllt den Tatbestand der Freiheitsberaubung gemäss Artikel 183 Strafgesetzbuch, wonach mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren oder mit Gefängnis bestraft wird, wer jemanden unrechtmässig festnimmt oder gefangen hält oder jemandem in anderer Weise unrechtmässig die Freiheit entzieht. Es ist unverständlich, dass die Täter von der Anklage der Freiheitsberaubung freigesprochen wurden und sich jetzt nur noch eine Trinkgeldbusse wegen Nötigung in Aussicht steht.

Das private Bewachungsunternehmen Schilter beteiligte sich vor ein paar Jahren am politischen Inserate-Boykott gegen die Mythen-Post, weil diese es wagt, immer wieder kritisch über Missstände zu berichten. Die gewaltsame Verhinderung der Verbreitung der Mythen-Post im Mythen-Center dürfte deshalb nicht nur Ausdruck polizeilicher Amtsanmassung übereifriger, schlecht geschulter privater Wachtmänner sein, sondern auch einer niederträchtigen Gesinnung gegen den Herausgegeber der Mythen-Post und die Tierschützer, welche diese verteilten, entspringen, was strafverschärfend zu werten ist.

Ich musste in diesem Kanton schon einmal Opfer von gewalttätigen Wildwestmethoden vertreten und bezweifle, dass dies endlich aufhören wird, wenn solche Ausschreitungen in diesem Kanton weiterhin mit wohlwollender Milde oder überhaupt nicht bestraft werden.

Ich beantrage deshalb eine abschreckende Gefängnisstrafe. Da die Angeklagten nicht geständig sind, kommt die Gewährung des bedingten Strafvollzuges nicht in Frage.

Dr Erwin Kessler, Präsident VgT

*

Am 12. März 2003 sprach das Bezirksgericht Schwyz beide Angeklagten frei. Sie erhalten je 2000 Franken Verfahrensentschädigung. Die Urteilsbegründung steht noch aus. Die für dieses politische Skandalurteil verantwortlichen Richter: Peter Linggi, Freitag, Reichlin, Mettler.

Der skandalöse Freispruch kommt nicht überraschend. Der Vertreter des Geschädigten, Dr Erwin Kessler, schildert seinen Eindruck vor Gericht wie folgt:

Zur gleichen Zeit, als im 1. Stock des Rathauses zu Schwyz das Gericht tagte, versammelte sich im Erdgeschoss das kantonale Parlament zu einer Ratssitzung. Als ich das Rathaus betrat fiel mir auf, wie mehrere Angestellte der Sicherheitsfirma Schilter herumstanden. Ihre Aufgabe war es offensichtlich, das Parlament vor Amokläufern zu schützen. Schiler war persönlich anwesend und begrüsste die ankommenden Parlamentarier händeschüttelnd und kollegial lachend, "Hallo Kari, hallo Kurt ....". Ich konnte mir kaum vorstellen, dass unter solchen Bedingungen Angestellte dieser Sicherheitsfirma für ihr rechtswidriges, gewalttätiges Verhalten zur Rechenschaft gezogen würden. Vom Schwyzer Polit- und Justizfilz, der seit Jahren die Druchsetzung des Tierschutzgesetzes sabotiert, offen einen rechtswidrigen Boykott gegen die kritische Mythen-Post organisierte (Inserenten wurden zuhause aufgesucht und unter Druck gesetz, ganz nach Art der sizilianischen Mafia) und zur Zeit gerade den Herausgeber der Mythenpost durch Zwangsversteigerung seiner elterlichen Liegenschaft in den Selbstmord treibt, konnte unmöglich ein gerechtes Urteil erwartet werden. Erschreckend, Angestellt der Sicherheitsfirma Schilter, die von ihren Befugnissen offensichtlich keine Ahnung haben, hier öffentlich mit gehalfterter Pistole herumstehen zu sehen. Man muss sich fragen, woher die grössere Gefahr droht: von diesen schlecht ausgebildeten Möchtegern-Polizisten (darunter ein gestrandeter Polizei-Aspirant), oder von potentiellen Amokläufern. Motive für letztere gäbe es allerdings bei dieser korrupten Politmafia reichlich.


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