18. Juli 2002

Strafanzeige gegen Tierärzte im Fall Weyeneth


Aufnahme aus der Schweinefabrik Weyeneth - die gesetzlich vorgeschriebene Stroheinstreu fehlt in der sonst schon tierquälerischen Kastenstandhaltung der Mutterschweine.

 

Vor einem Jahr hat der VgT eine Strafanzeige wegen Missachtung von Tierschutzvorschriften auf dem Hof von Nationalrat Hermann Weyeneth in Jegenstorf eingereicht. Der Burgdorfer Kreisrichter Bernhard Brunner (FDP) hat das Strafverfahren inzwischen eingestellt - mit fadenscheiniger Begründung. Der gleiche Richter hat kürzlich in einem skandalösen Urteil Nationalrat Weyeneth zwar schuldig der üblen Nachrede erklärt, diesen aber mit der Begründung vor Bestrafung verschonte, Weyeneth habe den ehrverletzenden Brief in entschuldigender emotionaler Erregung geschrieben. Dies hatte indessen nicht einmal der angeklagte Weyeneth selber behauptet! Es war ein klares Politfilz-Urteil, ebenso wie nun die Einstellung des Strafverfahrens gegen den Sohn Weyeneths. Um diese Machenschaften zu verdecken, weigerte sich Richter Brunner in rechtswidriger Weise, dem Anzeigeerstatter, VgT-Präsident Erwin Kessler, Einsicht in diese Einstellungsverfügung zu gewähren. Erst nachdem Erwin Kessler gegen diese Rechtsverweigerung Beschwerde bei der Anklagekammer des Obergerichtes Beschwerde erhob, erhielt er nun heute Einsicht in diese Einstellungsverfügung. Daraus geht hervor, dass zwei Tierärzte Weyeneth in rechtswidriger Weise ein Alibi für die Missachtung von Tierschutzvorschriften verschafft hatten. Der VgT hat deshalb heute folgende Strafanzeige gegen diese Tierärzte eingereicht:

An das Untersuchungsrichteramt II, Burgdorf:

Strafanzeige wegen Anstiftung zur Missachtung von Tierschutzvorschriften

gegen

1. Tierarzt Prof Dr W Zimmermann, Departement für Klinische Veterinärmedizin der Universität Bern, Abteilung Schweinekrankheiten und Schweinegesundheitsdienst

2. Tierarzt Dr Hutter, c/o Kleintierklinik Dr Witschi, Meisenweg 1, 3053 Münchenbuchsee.

Begründung:

Die Angezeigten haben Landwirt David Alexander Weyeneth, Quellenweg 20, 3303 Jegenstorf, dazu angestiftet, die Einstreuvorschrift für Mutterschweine gemäss Artikel 23 Absatz 2 der eidg Tierschutzverordnung zu missachten.

Beweis: Aufhebungsverfügung des Gerichtskreises V vom 16. April 2002 (S 01533 LEF) in der Strafsache gegen David Alexander Weyeneth, Jegenstorf.

Die von den Angezeigten angegebene Begründung für die Nichteinhaltung der Einstreuvorschrift ist haltlos: Die Tierschutzverordnung erlaubt keinen Verzicht auf die vorgeschriebene Einstreu aus hygienischen Gründen. Der Tierhalter muss deshalb bei hygienischen Problemen auf andere Weise für Abhilfe sorgen, was möglich ist, etwa durch häufiges Misten, Verwendung von qualitativ gutem Stroh oder anderen praxisüblichen Einstreumaterialien wie Altheu, Ökoheu (von subventionierten Ausgleichsflächen), Riedgras oder entstaubtes Heu (ist pilzarm). Die Tierschutzverordnung enthält unverzichtbare Mindestanforderungen an die Tierhaltung, welche noch keine artgerechte Haltung sicherstellen. Auch die Migros verlangt von ihren Produzenten ausnahmslos Einstreu und akzeptiert den Vorwand einer übermässigen Mykotoxin-Belastung von Stroh nicht.

David A Weyeneth hält seine Mutterschweine in den berüchtigten Kastenständen, die - weil sie wissenschaftlich nachgewiesen eine Tierquälerei darstellen - seit 1997 verboten sind (TierSchV Art 23). Bestehende Einrichtungen dürfen noch während einer Übergangsfrist benutzt werden. Die Schweinehaltung von David A Weyeneth ist insofern tierquälerisch, aber noch ein paar Jahre erlaubt. Unter solchen Umständen haben sich die Angezeigten auch tierschutzethisch gewissenlos verhalten dadurch, dass sie die in Kastenständen eingesperrten Muttertiere auch noch der Einstreu beraubten, welche das traurige Schicksal dieser wehrlosen Tiere etwas lindern würde. Dies ist strafverschärfend zu berücksichtigen. Strafverschärfend zu werten ist auch, dass es sich bei den Angezeigten um Tierärzte handelt, welche die Tierschutzvorschriften und die aus der Verhaltensbiologie bekannte essentielle Bedeutung von Stroheinstreu kennen mussten.

Die Angezeigten haben David A Weyeneth veranlasst, den Schweinen nur tagsüber die gesetzlich vorgeschriebene Stroheinstreu zu geben, nicht aber nachts. Es ist nicht einzusehen, weshalb die hygienischen Probleme am Tag geringer sein sollen. Zudem ist ein Strohnest für die Tiere gerade nachts zum Schlafen besonders wichtig.

Die von den Angezeigten veranlasste Entfernung der Stroheinstreu war aus den dargelegten Gründen nicht nur gesetzwidrig, sondern auch fachlich falsch und tierschutzethisch gewissenlos.


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