14. März 2002, aktualisiert am 13. Mai 2003                                      Web-Code: 200-025

Bio-Suisse befürwortet grausames Schlachten ohne vorherige Betäubung!

von Erwin Kessler, Verein gegen Tierfabriken

In der Vernehmlassung zur Revision des Tierschutzgesetzes hat die Bio-Suisse das grausame, betäubungslose Schächten (bzw die Abschaffung der Betäubungsvorschrift) befürwortet. Die Zeitschrift FACTS hat diesen Skandal bekannt gemacht ("Biologisch schächten" im FACTS!) In einem Schreiben an die VgT-Vizepräsidentin hat Bio-Suisse Geschäftsführer Christof Dietler dieses tierverachtende Ja zu Grausamkeiten an wehrlosen Tieren zu rechtfertigen versucht: "Der Vorstand der BIO SUISSE kann im Sinne der Religionsfreiheit mit der Aufhebung des Schächtverbotes leben." Ob die zu Tode gefolterten Schächtopfer damit leben können, interessiert ihn offenbar nicht. Nun verlässt Dietler im August die Bio-Suisse. Damit ist diese Organisation, welche gegenüber den Konsumenten eine ökologische, tiefreundliche Landwirtschaft zu garantieren vorgibt, noch nicht von allen verantwortlichen Schreibtischtätern gesäubert. Wie Bio-Suisse-Präsidentin Regina Fuhrer gegenüber dem VgT bestätigte, hat sie diesen tierverachtenden Entscheid, der offenbar von einer Mehrheit des Vorstandes mitgetragen wurde, persönlich unterstützt.

Der Grüne Nationalrat Ruedi Baumann meinte dazu lakonisch, dieser Entscheid sei wohl kaum mit der Basis abgesprochen worden. Tatsächlich muss man sich fragen, wie lange die Biobauern noch solche Typen an ihrer Spitze dulden, die zu Tierquälereien ja sagen, die sogar von den Metzgern abgelehnt werden. (Die Metzger haben sich in der Vernehmlassung klar gegen das Schächten ausgesprochen, ebenso wie der Bauernverband.)

Bio-Suisse-Präsidentin Regina Fuhrer, welche die Unterstützung des betäubungslosen Schächtens persönlich unterschrieben hat, steht auch hinter dem in den Bio-Suisse-Richtlinien erlaubten Enthornen der Kühe - ebenfalls ein Ausdruck einer tierverachtenden Instrumentalisierung der "Nutztiere" zu reinen Produktionseinheiten.

Mit dieser verfehlten Politik der Bio-Suisse werden beim heutigen Bio-Boom, wo zahlreiche Landwirte auf Bio umstellen, verheerende Sachzwänge geschaffen. Das Kuhenthornen entspricht nicht der Vorstellung der Konsumenten von einer naturnahen Landwirtschaft und ist darum längerfristig sicher nicht haltbar. Heute ist das Kuhenthornen unter dem Bio-Label "Demeter" verboten und kagfreiland hat das Verbot - mit einer Übergangsfrist - ebenfalls schon beschlossen. Bis sich dereinst auch die Bio-Suisse wird dazu durchringen müssen, werden massenhaft Laufställe entstanden sein, die auf enthornte Kühe ausgerichtet sind. Jetzt schon vorauszuhören ist dann der Ruf nach Bundessubvention, um die heutigen Investitionsfehler dannzumal zu sanieren. Die betrogenen Konsumenten werden dann auch noch als Steuerzahler zur Kasse gebeten, während die Verantwortlichen keine Verantwortung tragen müssen und deshalb heute die Bio-Suisse bedenkenlos mit arroganten Sprüchen auf einen Holzweg führen können. Wer planlos und kopflos seinen Weg geht, kann leicht glauben, einen Weg unter den Füssen zu haben, der durch den Wald hindurch zum Ziel führe, kommt dann aber plötzlich nicht mehr weiter, weil der Holzweg im Gestrüpp endet.

 

In einem Pressse-Communiqué hat die Bio-Suisse ihre skandalöse Befürwortung des Schächtens im Nachhinein mit der Behauptung zu rechtfertigen versucht, die Bio-Suisse befürworte nur Schächten mit Betäubung. Das ist eiskalt gelogen: Die Bio-Suisse hat mit Ihrer Vernehmlassung an den Bundesrat ganz klar und eindeutig die Aufhebung der Betäubungspflicht "aus religiösen Gründen" befürwortet! Das Schächten mit vorgängiger Betäubung war noch nie verboten und niemand will das verbieten, aber aus jüdischer Sicht ist Schächten mit Betäubung eben kein Schächten. Das Wesentliche am jüdischen Schächten ist gerade, dass die Tiere nicht betäubt werden.

Mit diesem verlogenen Rechtfertigungsversuch zeigt die Bio-Suisse immer mehr ihre tier- und menschenverachtende Gesinnung. Dieser Organisation kann man wirklich nichts glauben. Wir werden die Konsumenten nachhaltig darüber aufklären. Und einmal mehr hat sich diese Empfehlung des VgT als die einzig richtige erwiesen: Essen Sie vegetarisch - Ihrer Gesundheit und den Tieren zuliebe!

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) war einst ein Ort fortschrittlichen Denkens. Der heutige Direktor, Urs Niggli, nahm den tierverachtenden Entscheid der Bio-Suiss-Präsidentin zugunsten des grausamen Schächt-Schlachtens mit den Worten in Schutz, es handle sich nach seiner Ansicht um einen "glaubwürdigen" Entscheid und solche "Persönlichkeiten" "imponierten" ihm. Niggli ist offenbar nicht allein. Vielmehr scheint die Mehrheit der Trägerorganisationen der Bio-Suisse eine solche tierverachtende Präsidentin für tragbar zu halten. Filz also auch in der Bio-Szene. Auch die Biobauern halten einen solchen tierverachtenden Vorstand ihres Verbands für tragbar, sonst wäre sie abgesetzt worden. Dazu passt, dass der VgT ständig Tierschutz-Missstände auf Bio-Betrieben antrifft, die weit weg sind von dem, was Bio-Suisse den Konsumenten verspricht.

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