24. Februar 2002

Schächten: Dutzende von Leserbriefschreibern mit dem Tod bedroht

Sehr geehrte Frau Bundesrätin Metzler,

in der laufenden öffentlichen Diskussion über das Schächten haben viele Leserbriefschreiber darauf hingewiesen, dass weder die Thora noch der Talmud das Betäuben der Tiere verbietet (dazu finden sich viele Beispiele unter Pressestimmen zum Schächten). Diese Leserbriefschreiber müssen nach jüdischer Glaubenslehre zum Tod verurteilt werden:

"Wenn ein Nichtjude sich mit der Gesetzeslehre befasst, so verdient er den Tod." (Der Babylonische Talmud, Traktat Synhedrin, Fol 95a)
[Gemeint ist die Lehre der jüdischen Glaubensgesetze.]

Nach Auffassung des schweizerischen Bundesrates und gewisser Rechtsprofessoren, allen voran der an der Universität Fribourg lehrende Prof Thomas Fleiner, sind Handlungen, die sich auf die jüdische Glaubenslehre stützen, auch dort von der Religionsfreiheit geschützt ist, wo diese Handlungen bestialische Auswirkungen auf Dritte haben. Nach dieser Auffassung stellt Artikel 10 der Bundesverfassung, welcher die Todesstrafe verbietet, eine Diskriminierung der Juden dar. Beabsichtigt der Bundesrat, diese Diskriminierung dadurch zu beseitigen, dass eine Ausnahmebewilligung zur Ausübung der Todesstrafen aus religiösen Gründen eingeführt wird?

Sie können beruhigt sein, Frau Metzler. Der VgT wird dagegen nicht das Referendum ergreifen wie gegen die Aufhebung des Schächtverbotes. Der Grund ist ganz einfach: Der Vereinszweck des VgT ist gemäss Statuten der Schutz der Nutztiere und der Konsumenten; der Schutz von Leserbriefschreibern vor der Todesstrafe fällt nicht darunter.

Mit freundlichen Grüssen
Erwin Kessler

Postskriptum:
Weil ich Bundesrätin Dreifuss eine ähnlich provokative Frage gestellt habe, um sie aus ihrer schrecklichen seelischen Blindheit aufzurütteln, bin ich im sog Schächtprozess zu Gefängnis verurteilt worden. Ich muss deshalb annehmen, dass ich auch wegen obiger Frage an Sie unter dem Deckmantel der Antirassismusgesetzes wieder zu Gefängnis verurteilt werde, doch kann ich Ihnen versichern, dass mich dies nicht beeindruckt. Wegen Widerstandes gegen einen Unrechtsstaat ins Gefängnis zu kommen, ist eine grosse Ehre.


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