Auszug aus dem

Plädoyer des VgT im Verfahren gegen COOP
Hauptverhandlung vom 30. November 2017

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, geschätzte Damen und Herren.  

 In der Klageschrift haben wir die Persönlichkeitsverletzung belegt; diese blieb unbestritten. Im folgenden legen wir dar, dass eine besonders schwere Rufschädigung vorliegt.  

Zwischen dem VgT und Coop besteht ein Dauerkonflikt, weil Coop die Konsumenten andauernd mit täuschender Werbung manipuliert. Wir sehen es als unsere Pflicht an, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären. Dies liegt klar im öffentlichen Interesse. Würde zugelassen, dass Coop mit unwahren rufschädigenden Behauptungen unsere Glaubwürdigkeit ruiniert, dann würden nicht nur die privaten Interessen des VgT, sondern auch öffentliche Interessen verletzt, denn der Konsumentenschutz ist ein in der Verfassung verankertes öffentliches Anliegen.   Der VgT ist laut Statuten eine Tier- und Konsumentenschutzorganisation. 

Was wir vor allem immer wieder kritisieren - so auch bei den streitgegenständlichen Naturafarm-Schweinemastfabriken in Niederösch und Bätterkinden -, ist der krasse Gegensatz zwischen der Coop-Werbung für tierische Lebensmittel und der Realität der Coop-Nutztierhaltung. Wir werden das sogleich anhand einer Bilder-Präsentation erläutern.  

In der Werbung suggeriert Coop, seine Labels Coop-Naturafarm und Coop-Naturaplan würden eine idyllische, tierfreundliche bäuerliche Tierhaltung garantieren. In Wirklichkeit gibt es diese schon lange nicht mehr; auch Labelbetriebe sind durch und durch industrialisierte Massentierhaltungen, in der das einzelne Lebewesen zur reinen Handelsware degradiert wird.  

 Bilderpräsentation  

1a und 1b

Aufnahmen aus einem Coop-Naturaplan-Hühner-Aufzuchtbetrieb in Thundorf. 12 000 Küken in dieser Hühnerfabrik werden so zu Junghennen aufgezogen.Die mutterlose Massen-Aufzucht der Küken und die Vernichtung der männlichen Küken an ihrem allerersten Lebenstag, weil sie keine Eier legen und zur Mast nicht taugen, unterscheiden sich nicht von der konventionellen Nutztierhaltung, auch nicht die Tiertransporte und das brutale Schlachten. Das wird in der Werbung, die von glücklichen Tieren und von "Tierwohl" spricht, nie erwähnt.    

Aber auch die in der Werbung gezeigten Betriebe werden so verfälscht präsentiert, dass den Konsumenten systematisch ein ganz falsches Bild des Lebens der Label-Tiere eingetrichtert wird.

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Hier im Bild verlogene Coop-Werbung für das Naturaplan-Label mit den Schweinen eines Kleinbauern, der gemäss unserer Recherche seine Schweine gar nicht an Coop liefert, sondern seine paar wenigen Schweine in seinem Hofladen vermarktet. Coop hat diese täuschende Werbung damit gerechtfertigt, dieser Bio-Bauer liefere Milch an Coop. Das ist qualifizierte Konsumententäuschung, aber der VgT ist nicht aktivlegitimiert für Klagen gegen Unlauteren Wettbewerb. Wir können nur informieren und aufklären. Es liegt im öffentlichen Interesse, dass Coop unsere Aufklärungsarbeit nicht verhindern kann, indem er unsere Glaubwürdigkeit mit Verleumdungen ruiniert. Das ist Sinn und Zweck unserer Klage auf Unterlassung bzw Feststellung.  

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Völlig realitätsfremde Coop-Werbung. Den Kunden wird systematisch eine heile Welt der Label-Tiere suggeriert.  

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Auch das ist realitätsfremd und darum täuschend - offensichtlich eine für den Fotografen zugerichtete Situation, eine gestellte Aufnahme.   Die Realität sieht anders aus. Unsere Aufnahmen aus den beiden strittigen Coop-Naturafarm-Schweinefabriken in Niederösch und Bätterkinden zeigen eine ganz andere Welt der Label-Schweine:  

7-14   Coop-Naturaplan in Niederösch:

 

 

 

 

15-17   Bätterkinden:

17 und 17a abgefressener Schwanz, eine Folge der extremen Monotonie und Langeweile in dieser Intensivhaltung:

 

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So sieht der Auslauf für Coop-Naturafarm-Schweine in der Werbung aus:

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Und so in der Realität - völlig verkoteter Boden, praktisch nur ein Freiluft-WC. Die Schweine die draussen an der frischen Luft liegen möchten, drängen sich auf dem einzigen noch einigermassen trockenen Fleckchen zusammen:  

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 Im Stallinnern auch nicht das, was die Werbung verspricht:

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aufgenommen in dieser Coop-Naturafarm-Schweinefabrik in Hüttwilen/TG in diesem Jahr (2017):

 

Videaufnahme 2017 in einer Schweinefabrik im Kanton Thurgau. Die Schweine haben blauen Coop-Naturaplan-Ohrmarken:

Videolink zu Youtube

22-24
Realitätsferne Werbung:

In der verlogenen Werbung haben Ferkel sogar Familienanschluss:

 

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In der Realität bilden die kleinen, der Mutter viel zu früh weggenommenen Ferkel ein Häufchen Elend in einer Ecke zusammengedrängt. Das ist normaler Alltag auch in Labelbetrieben - im Einklang mit den Labelvorschriften. Jedes dieser Waisen sucht unter seinen Leidensgenossen Schutz und Geborgenheit. Damit Mutterschweine jährlich möglichst viele Ferkel gebären können, werden ihnen die Jungen viel zu früh weggenommen (in der Fachsprache "Frühabsetzen" genannt), was grosses Leiden bei Mutter und Ferkel bedeutet. Aufnahme aus diesem Jahr (2017)  in einer als "vorbildlich" geltenden Coop-Naturaplan-Bio-Schweinefabrik im Kanton TG. Es hat sogar ein kleines bisschen Stroh am Boden - das ist schon "vorbildlich":  

 

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Bei den Hühnern der gleiche krasse Gegensatz zwischen Werbung und Realität. Eine Coop-Naturaplan-Legehennen-Aufzucht in Thundorf/TG, dieses Jahr aufgenommen (2017). Die eingangs gezeigten Aufnahmen von Küken sind aus diesem Betrieb:

  

27-30
Der Betrieb von aussen mit dem sogenannten Aussenklima-Abteil. Es herrscht zwar Aussentemperatur, aber nur selten erreicht ein Sonnenstrahl die Tiere. Die Luft ist staubig, das Gitter mit Staub verklebt, die Einstreu am Boden mit Kot durchsetzt. Als wir uns vorsichtig dem Gitter näherten, um eine Aufnahme ins Innere zu machen, erschraken die Hennen, die ein völlig monotones Leben ohne jede Abwechslung und ohne natürliche Reize verbringen. Sie flatterten auf, was eine Staubwolke auslöste die sich gut sichtbar vom Stall wegbewegte, wie eine Rauchwolke. So stellen sich die Kosumenten die Aufzucht von angeblich glücklichen Bio-Hühnern sicher nicht vor. Auf die Wiese können diese Junghennen nie, es ist kein Grünauslauf vorhanden. 12 000 Hennen verbringen so ihre Jugend in dieser Tierfabrik. 12 000 - Sie haben richtig gehört! Das ist die Realität von Bio und Naturaplan - etwas ganz anderes als sich die durch die Werbung getäuschten Konsumenten unter Bio und Naturaplan vorstellen: 

 

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aber Coop behauptet eiskalt "Bio ohne Kompromisse":

  

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So präsentiert Coop seinen Kunden die Welt der Naturaplan-Bio-Hühner-Aufzucht. Herzige Küken und schöne Worte, aber im Grunde völlig nichtssagende Abbildungen, mit denen die vorhin gezeigte Realität gezielt verschwiegen wird:

 

33a und 33b
Bio-Naturaplan-Legehühner in Wildegg/AG - ein kleiner Demeterbetrieb. Die meisten Naturaplan-Betriebe sind grosse Tierfabriken. Aber sogar hier in diesem Vorzeige-Kleinbetrieb klaffen Werbung und Realität krass auseinander.   Diese zwei Bilder zeigen diesen Betrieb in der Werbung und in der Realität, von uns fotografiert. In die Aufnahme in der Werbung ist mit Photoshop ein Grünauslauf hineingemalt worden!!! Das einzige wirkliche Grün in diesem übernutzten Auslauf sind die Brennnesseln, um die die Hühner einen Bogen machen. Bei trockenem Wetter ist dieser Auslauf eine Staubwüste, bei Regen ein Sumpf, aber in der Werbung ein idyllischer Grünauslauf und die Tierchen liebevoll gehegt und gepflegt und geliebt. So belügt und täuscht Coop seine Kunden:  

Coop-Werbung:

Der gleiche Betrieb in der Realität:

 

Solche Realitäten weit entfernt von der Werbung und von tierfreundlich dokumentieren wir seit Jahrzehnten immer wieder. Wir zeigen zum Abschluss unseres Plädoyers Beispiele von Coop-Labelbetrieben (Naturaplan oder Naturafarm) aus früheren Ausgaben unserer Zeitschrift:  

34 Hühner im Grünauslauf in der verlogenen Coop-Werbung:  

und in der Realität 35-37:

 

37a Das schrieb Coop empörten Kunden zu diesen Bio-Hühnern mit katastrophalem Gefieder. Alles wird schön geredet mit unwahren Behauptungen. Es handle sich um alte Hühner und deshalb sei es ganz normal, dass die Tiere so aussehen. In Tat und Wahrheit werden die Coop-Legehennen schon nach der ersten Legeperiode, also noch sehr jung, getötet und entsorgt, weil die gewünschten kleinen Junghennen-Eier nur im ersten Jahr gelegt werden. Der katastrophale Gefiederzustand hat weder mit dem Alter der Hennen noch mit der sogenannten Mauser, der jährlichen Gefiedererneuerung, etwas zu tun. Der Grund ist ein enormer Nährstoffmangel infolge des Dauerstresses aufgrund der hochgezüchteten Legeleistung und der für die Tiere katastrophalen Haltung. Diese sogenannten Hybridhennen sind züchterisch dazu gezwungen, jeden Tag ein Ei zu legen. Der dadurch entstehende Kalzium- und Nährstoffverbrauch kann nicht gedeckt werden, was sich bereits nach wenigen Monaten in einem Gefiederschaden bemerkbar macht. Das ist für Coop laut Werbung "Bio ohne Kompromisse". Diese Hühner sind auschliesslich auf hohe Legeleistung gezüchtet und erreichen deshalb auch bei guter Pflege nur ein Alter von wenigen Jahren. Diese traurige Erfahrung machen wir immer wieder mit Hühnern, welche wir von Ausstallungen in unsere Auffangstation für Kaninchen und Hühner in Not übernehmen. Weniger hochgezüchtete Hühner können über 10 Jahre alt werden.:

 

38a und 38b  Während Coop den Kunden gerne eine kleinbäuerliche heile Welt nach Art unserer Grosseltern vortäuscht, die es schon lange nicht mehr gibt, ...  

 ... werden die Label-Tiere in Wahrheit in riesigen Tierfabriken gehalten.  Hier ein aktuelles Neubauprojekt für Coop-Naturafarm-Schweine, in dem 700 Schweine auf engstem Raum gehalten werden sollen.

38c

39-42   Coop-Label-Schweine in der Realität:

und in der Werbung 44: 

Den Konsumenten verspricht Coop scheinheilig-verlogen: "Das Wohl der Tiere liegt uns sehr am Herzen". ..  45

... und gleichzeitig macht Coop ständig Aktionen mit Tierfabrik-Quälfleisch:

... und  in der Coop-Zeitung touristische Werbung für Stierkämpfe:  46

Wie die gezeigte Realität beweist, geht es in Wirklichkeit nicht um das Wohl der Tiere, sondern eiskalt nur um Umsatz und Marktanteile. Anders ist die verlogene Werbung im Gegensatz zur traurigen Realität nicht zu erklären.  

Während die Tiere schamlos ausgebeutet und die Konsumenten mit verlogener Werbung getäuscht werden,  präsentiert Coop den Konsum diese Quäl-Produkte derart hinterhältig als etwas Edles von höchster Kultur: 47

Kunden, welche sich enttäuscht und empört zeigen, wenn sie in unserer Zeitschrift die Realität sehen, gibt Coop abwiegelnde, schönfärberische und den VgT als unglaubwürdig erscheinen lassende Antworten - wie die folgende intere Weisung beweist. Weil es Coop-Angestellte gibt, die ein Herz für Tiere haben, kamen wir in den Besitz dieser internen Weisung, mit welcher die Coop-Manager das Verkaufspersonal anweist, wie sie  Kunden hinters Licht zu führen sind.  49

 Indem wir über solche Konsumententäuschungen aufklären, erfüllen wir eine wichtige Aufgabe in öffentlichem Interesse. Der Versuch von Coop, unsere Glaubwürdigkeit mit den strittigen Verleumdungen zu ruinieren und uns so zum Schweigen zu bringen, stellt deshalb eine ausserordentlich schwerwiegende Persönlichkeitsverletzung dar, die gerichtlich unterbunden werden muss durch Gutheissung unseres Rechtsbegehrens.  

 


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